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Freitag, 30. Mai 2014

Die Frohe Botschaft der Exkommunikation.

Papst exkommuniziert Chefin von "Wir sind Kirche"

Die österreichische Vorsitzende der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche" wurde exkommuniziert. Martha Heizer und ihr Mann dürfen nicht mehr an den Sakramenten teilnehmen. 
Die strengste Strafe, die die Kirche verhängen kann, weil zwei Menschen, die nicht zu Priestern geweiht waren, in ihrem Privathaus Messen gefeiert  haben? 
Es heißt, von den Missbrauchstätern sei bislang keiner exkommuniziert worden. Ich kann das nicht überprüfen.
Aber mit welchem Maß wird da gemessen? 
Das vermeintliche schwere Vergehen, das Martha Heizer vorgeworfen wird, begehen täglich auf der Welt Hunderte von katholischen Gruppen. Es ist eine Folge des Priestermangels, dass Gläubige manchmal auch ohne geweihten Priester gemeinsam Gottesdienst feiern. Statt das zu bestrafen, sollte man diese Form des Laienengagements begrüßen und sich darüber freuen. Christian Weisner (30.5.2014)
Wenn ich also zukünftig ein Brot breche, und einen Wein trinke, und dabei einen Segen spreche, exkommuniziere ich mich dann auch selbt?
Oder werde ich ausgeschlossen, wenn ich das auch noch öffentlich bekannt gebe? 

Also, ich sehe das so:
Entweder war das unerlaubt und ungültig. Denn wenn die beiden nicht geweiht waren, war das keine Messe, im katholischen Sinne. 
Dann sehe ich keinen Grund für eine Strafe.
Dann wäre es einfach nur ein Irrtum der Handelnden. 
Das sowas in der Kirche bestraft wird, befremdet, wirkt wenig menschenwürdig. 

Die Frohe Botschaft dieser Exkommunikation.

Oder war das gottesdienstliche Handeln gültig?
Das muss wohl so sein. Das legt die Bestrafung nahe. Nur geweihte Pfarrer dürfen das.
Und das ist ein Grund zur Freude, denn wenn das "gültig" und somit bestrafenswert ist, was Frau Heizer tat, dann "funktioniert" das Geschehen der Messe, die Wandlung und Transsubstantiation, auch ohne Weihe. 
Das wäre nun wahrhaft die Frohe Botschaft dieses Urteils. 
Eine gültige Wandlung von nichtgeweihten Menschen. Laien, bei den Katholiken. Also ist das von allen Evangelischen, allen ordinierten Männer und Frauen und allen Laien gültig. 
Endlich sind wir autonom. 
Das Priestertum aller Gläubigen, verwirklicht, und durch ein Urteil der Kirche bestätigt. 
Ein Schritt weiter, das Klerikertum abzuschaffen? 
Habt Mut, zu wandeln, zu feiern. Wandelt. Wandelt Euch, wandelt die Welt! Denkt um! 
Gültige Messen feiern. Für alle. Mit allen. Das ist gelebte Spiritualität und Seelsorge. 
Wie der in den Menschen verliebte Gott es wollte.

Ich breche gerne das Brot. Trinke Wein, symbolisch, zeichenfaft, und bete dazu einen Segen. Allein, wie es sich für einen Eremiten gehört.
Und ich überlasse es anderen, darüber Ihren Hirtenstab zu brechen. 
Wer will feiert mit. Virtuell, oder real. Das macht keinen Unterschied, im Geiste. 

Lies auch hier zum Thema Papst. 

"Wer sind wir, dass wir uns anmaßen dürften, Türen zu schließen, die der Heilige Geist öffnen will?" (Papst Franziskus)

Donnerstag, 3. April 2014

Maria und Josef betrachten es froh ...

Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh. Maria und Josef betrachten es froh, die redlichen Hirten knien betend davor, hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor. (Weihnachtslied, "Ihr Kinderlein kommet...")

Ja, wie. Ist denn heut schon Weihnachten? 

Nein, es war ein Seminar im August, an Maria Himmelfahrt (15.8.), es war Mariä Empfängnis (8.12), es war am 25.3. die Verkündigung an Maria, das ist auch eine an Josef gewesen. Und es war Josefstag. Am 19.3. 

Es gab ein Seminar über Josef. Im Chiemgau, eigentlich in Seeon-Roitham.
Nach dem Seminar hören wir von einer Teilnehmerin: „Das wäre auch was für meinen Mann gewesen.“ 
Na bitte, bring ihn beim nächsten Mal mit. 
Das war beim Seminar zu Maria noch verständlich, dass nur Frauen da sind. 
Doch beim Josef? Tun wir Männer uns schwer mit dem blassen alten Mann, zu dem sie Josef gemacht haben? Genauso blass wie Gott selbst? Wie so oft also, nur Frauen außer uns. Da sitzen wir nun, in Roitham, zum Seminar, Heinz und ich. Und die Frauen.
Wir fragen nach und hören. 

Erste Assoziationen zu Josef:

Alle Achtung, der nimmt ein fremdes Kind an.
das ist ein Träumer
ein Ausländer, aus Galiläa, dem Norden Israels
Männerrolle: ein pragmatischer, fürsorglicher Ernährender
der Mann im Hintergrund des Geschehens
Ein Handwerker, Zimmermann
(hebr.) yōsēf = er fügt hinzu

Namenstag am 19. März, Josef von Nazaret, ein Bauernfest
Namenstag am 1. Mai, Josef der Arbeiter.

Na, das war nur einer, dieser Josef von Nazaret, der Arbeiter. Auch wenn er zweimal von der Volksfrömmigkeit gefeiert wird, ändert es nichts daran, dass er theologisch und biblisch eine Art Null-Nummer ist. 

Josef wird fast wegdiskriminiert. 

Josef durfte nicht mal der Vater des Gottesknaben sein und bleiben. In seinen kurzen Auftritten in den Evangelien steht so viel wie nichts, außer dem Träumen und dem Gehorchen. Schlimm genug, dass einer den Träumen gehorcht und nicht dem Gesetz. Josefs Pflicht als frommer Jude wäre es gewesen, diese Maria als Ehebrecherin zur Steinigung freizugeben um das Böse zu eliminieren. (Deuteronomium 22,23-24).
War er nun der Vater von Jesus?
Wahrscheinlich hat das damals zunächst niemand angezweifelt, und das wäre auch völlig normal.
„So ein Weichei, der hätte es dieser Schlampe, dieser Hure zeigen müssen! Verlobt sich mit Josef und bekommt dann das Kind eines anderen. Gesteinigt gehört so eine! Er konnte wohl nicht warten, der Kerl, so ist das bei jungen Leuten, sie sind ja auch schon verlobt. Und dann passiert es halt, dann ist sie schwanger. Immerhin hatte er den Anstand, sie zu heiraten, statt sich davonzustehlen.“
Das mag von außen so ausgesehen haben, oder ...
„Eher rührend. Liebevoll und nett, würde man heute sagen. Anständig, dass er sich um das Kind kümmert. Das arme Kind kann ja nix dafür.“
Josef bricht also das Gesetz, um Gottes Willen. Er wird selbst zum Sünder, folgt dem Gesetz nicht buchstabengetreu sondern dem Geiste nach. Nicht weiter tragisch? Es wurde immerhin eine brutale Machtreligion und eine Weltreligion der Liebe draus. 
Wir machen alles entzwei.
Als ob Josef es geahnt hätte. Sein handelndes Umdeuten hatte Folgen. 
Zum Glück für viele Kinder und Väter, denen die Pfarrer der Jahrhunderte mit Blick auf Josef geraten haben mögen, ein fremdes Kind anzuerkennen und ein gutes Werk zu tun. Kriegswitwen und Waisen haben wir im Laufe der Geschichte auch reichlich produziert.
Dummerweise musste der Bengel eine besondere Bedeutung bekommen, so dass sich auch seine echte, leibliche Mutter, eine ganz normale Frau, im Laufe der Jahrhunderte sich wieder zur biologischen Jungfrau zurückentwickeln musste.

Wer sind die Eltern?

Das NT kennt keine Biographie der Eltern Jesu. Dort finden sich nur theologische Aussagen über Maria. Denn einen irdischen Vater konnte man bei dieser geistgezeugten Göttlichkeit des Herrn überhaupt nicht mehr brauchen. Er hat keine zeugungs- oder geistzeugungsrelevante Bedeutung. Der Himmlische Vater ist wichtiger als der irdische Samenspender.
Oder hatte sie doch einen anderen? Manche sagen es. 
Ja, und wenn? Nachweisen ließe es sich eh nicht mehr. Und es ist doch auch wurscht, oder? Am Heilsgeschehen durch Christus würde sich meiner Meinung nach nichts ändern.

Und die Geschwister?

Mk 3,20f, 3,31-25 nennt „Angehörige“, Mutter und Brüder, zu denen Jesus in deutliche Distanz geht. Natürliche Verwandtschaft ist nicht entscheidend für die Zugehörigkeit zum Reich Gottes, sondern die Erfüllung des göttlichen Willens.
Es ist eine somit Meinungssache,
  • ob hier wirklich von Verwandten Jesu gesprochen wird (hat sie / haben sie noch weitere Kinder gehabt? Ältere? Jüngere?)
  • oder eine allgemeine Aussage getroffen wird (selbst nah Verwandte stehen in der Gefahr, die göttliche Sendung misszuverstehen).
Später, bei Matthäus, fällt diese Begegnung weniger schroff aus. Denn hier wird Maria als „Wissende“ dargestellt. Sie weiß um die heilsgeschichtliche Sendung Jesu und handelt danach. Bei Lukas wird dies „harmonisiert“, d.h. nicht erwähnt.
Mk 6,1-6a: Hier ist er „der Sohn der Maria“ und die Brüder Jakobus, Joses, Judas und Simon werden mit Namen genannt, auch von Schwestern ist die Rede. 
Und ein Beruf: Der Zimmermann. Das soll die bescheidene Herkunft des jetzt als Wundertäter Wirkenden herausstellen. Den Beruf hat er vom Vater! Matthäus 13,55 macht ihn (im Mund von Gegnern Jesu) zum Sohn des Zimmermanns. Also: stolz drauf hat er nicht zu sein, der Knabe. Gehört sich ja auch nicht, als Gottes Sohn sich von einem Handwerker aufziehen zu lassen, wo doch auf den Baustellen so viel geflucht wird, verdammt noch mal. Hätt er nicht doch vielleicht im Königspalast oder von einem Priester ...?
Später war der Josef eh ein alter Mann (der nicht mehr zeugen konnte, womit sich ein ejakulatives Problem erledigt hätte haben sollen) oder er war schon tot, (was anzunehmen sei, weil keiner mehr über ihn reden wollte). Wie praktisch. Totgeschwiegen stört er im Grab am wenigsten. 
Es sei denn ... Ja? Was? Es sei denn er wäre auch da ein "Gesetzesbrecher" und schon vor Jesus auferstanden? Wie? Das wird zu spekulativ? Das ist der übrige Rest des Geschehens auch.

Ahnenforschung

Erst im 2. Jhd. tauchen im Gefolge der „reinen asketischen Vollkommenheit“ Mariens ihre kinderlosen Eltern auf, die im hohen Alter noch ein Kind bekamen, das im Tempel aufwuchs und dem alten, greisen Josef zur Frau gegeben wird, weshalb sie jungfräulich bleibt. (Protoevangelium Jacobi). 
Dass die Ahnenforschung damals schon so ausgeprägt und die Dokumentation so außerordentlich war, ist höchst erstaunlich. Und spekulativ! 
Diese Sicht verbreitet sich in der Ostkirche, ist aber im Westen noch im dritten Jahrhundert bei Tertullian nicht bekannt. 
Bereits das Matthäus-Evangelium kennt die Auffassung der jungfräulichen Geburt und beginnt mit einem theologischen, zahlenmystischen Stammbaum Jesu. Hier tauchen einige sehr faszinierende „heidnische Frauen“ auf: Dirnen, echte, und vielleicht auch eine Lesbe? Das wäre auch mal ein Thema wert. Ob da die Männer gleich mit dazu kämen?
„Jakob zeugte Josef, den Mann Marias, aus der Jesu gezeugt wurde“ ... „noch bevor sie zusammengekommen waren“ (Mt 1,18)
Aber im Kodex Syrosinaiticus steht: 
„Josef, mit dem Maria verlobt war, [also galt sie als seine Frau!], zeugte Jesus“. 
Er zeugte bei gleichzeitiger Bejahung der jungfräulichen Empfängnis.
Eines ist klar: Wenn Jesus nicht von Josef gezeugt wäre, wäre der Abkunft von David absurd! Dann wäre Jesus nicht Davids Sohn, also nicht Messias. Da hätte das Christentum ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Rein spekulativ.
Erst später, wenn man alles wörtlich verstehen muss, ‚erzwingt‘ es die jungfräuliche Empfängnis Jesu bei unverletztem Hymen, denn nun wird dank gnostischem Einfluss der Sexualakt zum Überträger der Erbsünde. Dies ist nicht aus dem Evangelium ableitbar. Das Evangelium ist eine theologische, keine medizinische Schrift. Das hebräische Denken kennt keine Abwertung menschlicher Zeugung.
Also ist noch eins klar: damals hatten die das Problem noch nicht, dass alles so überkatholisch-keusch sein musste, der darf Gottes Sohn sein, auch wenn der Josef der leibliche Papa sein sollte.
„Bei Maria und Josef hat es geschnakelt, und der Bub kam. So ein goldiger Bengel. Aus dem wird sicher mal was ganz Besonderes, wie der den Papa anschaut, als ob da eine ganz enge Verbindung bestehen tät. Und das war, als ob die Engel gesungen hätten bei seiner Geburt. Das ist wirklich ein Geschenk Gottes, so ein Kind, überhaupt, jedes. Und dieses Kind erst Recht, ein Kind Gottes, ein Sohn Gottes. Meinst du nicht auch?“
Vom Glauben her „Ja“.
Heißt Glauben „nicht wissen“, bleibt das spekulativ, nur eine Annahme (Vermutung).
Bedeutet Glauben aber „liebend und vertrauend eine Wahrheit annehmen (empfangen)“ wird etwas gewiss, gewusst. Was auch immer.
Und was haben wir daraus gemacht, mein Gott?

Die Tradition

Ignatius von Antiochien (vermutlich Mitte des 2. Jhd.) setzt sicherheitshalber auch Maria in das Haus Davids. Das ist dann also kein Problem mehr mit der Abstammung.
Er kämpft eigentlich gegen zwei Irrlehren, den „Judaismus“, der in Jesus nur einen Menschen mit natürlicher Geburt sah, und den „Doketismus“, der das wahre Menschsein Jesu bestreitet. Das passt ja gar nicht zusammen. Ignatius hält dagegen: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, ...
„aus Maria sowohl wie aus Gott, ... nach Gottes Heilsplan aus Davids Samen [Samen!] und doch aus heiligem Geiste, ... wirklich aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleische und wirklich geboren aus einer Jungfrau“
 ... und verbindet in einem hermetisch-philosophischen Denkakt die beiden unvereinbar scheinenden Aussagen: 

Der präexistente Logos wird Mensch (Johannes) 

im Schoß der Jungfrau Maria (Lukas, Matthäus).
Logisch, gezeugt von Josef. Aber das übersieht man(n)?
Übrigens: Von jener Stunde an ward es in der theologischen Ehestube leibfeindlich und finster. Jeder weitere Versuch der Erhellung brauchte neue Spekulationen hervor. Das Kopfkino, nein, das Bild ist anachronistisch, das „Kopf-Theater“ um die Jungfrauenschaft wird zum besonderen Moment der katholischen Theologie. Damit einher ging die Abwertung des Körperlichen, des Sexuellen, auch in der Ehe. Die jungfräuliche Empfängnis gilt dann ab Ende des 2. Jhd. als ein Stück apostolischer Überlieferung. Die Evangelien sind kanonisiert, das alttestamentliche Zeugnis gilt als Tradition, die Glaubensformel im Credo, „vom Heiligen Geist“ – und! – „aus der Jungfrau Maria“ ist allgemein bekannt.
Ziel der Menschwerdung Gottes ist die Vergöttlichung der Menschen als Kinder Gottes. Die jungfräuliche Empfängnis hat heilsgeschichtliche Bedeutung von der Schöpfung her: Christus „heilt“,  „repariert“, „erneuert“ die paradiesische Gemeinschaft Mensch-Gott. Der Papa wird’s schon richten. Im Gericht, dann. 
Jesus ist der neue Mann, Mensch, Adam (auch der erste Adam im Paradies ist aus Gott geschaffen) und die Gleichstellung Eva/Maria ist nun ebenfalls verbreitet. Bei den Kirchenvätern überträgt sich diese Typologie übrigens auf jede Frau, die am Heil mitwirkt: Die Frauen am Grab, Maria Magdalena, ... (Anwesende undLesende!) Es geht also nicht um Maria, sondern um die Heilsbedeutung des weiblichen Geschlechts.

Und wo bleiben die Männer?

Es gibt noch keine Marienkirchen, kein Marienfest, keine liturgische Anrufung Marias im Gottesdienst. Maria dient nur als Vorbild für die asketisch christologische Frömmigkeit des 4. Jahrhunderts. Auch in der Ostkirche gilt: „sie kann nachdem der Heilige Geist über sie gekommen war unmöglich Lagergenossin eines Mannes geworden sein“. 
Unmöglich?
Das ist ja was Gutes, ein Vorbild. 
Aber kein anderer Mann, weil es „unmöglich“ als Nach-Bild, der Mann der Frau nach-stellend, in Stellungen vorstell-bar sein darf?
Die ab den folgenden Jahrhunderten einsetzende „Postulatstheologie“ hat keinen Bezug mehr zur Schrift. Das ist jetzt wirklich reines Kopftheater. Ich nehme an, also ist es. In beiderlei Bedeutungen von „vermuten“ und „empfangen“ (siehe oben).
Ambrosius von Mailand macht die Sündlosigkeit Jesu von der jungfräulichen Empfängnis abhängig, sein Schüler Augustinus mischt die Erbsündenlehre hinzu und gibt ihr somit dogmatisches Gewicht der ‚Notwendigkeit‘. 
Im Laterankonzil (649) wird schließlich als Kirchenlehre festgelegt: die Jungfrauschaft Mariens vor, in und nach der Geburt. Basta! 
Die haben vielleicht nachträglich nachgeprüft, also: lange bevor sie in den Himmel auffuhr? Das war auch bei anderen Frauen damals üblich. Das Nachprüfen, meine ich. Das Himmelfahren steht nämlich noch aus.

Karriere: Himmelskönigin

Maria werden in der Liturgie (d.h. in Liedern und Hymnen, aus der Imagination und Poesie heraus, aber auch in Predigten) Kräfte zugesprochen, die streng genommen, allein Gott zugehören: Sie besiegt den Teufel, löscht die Flammen der Leidenschaft, wendet den Zorn Gottes ab, öffnet das Paradies und bringt gar die Erlösung – weil sie theotokos, Gottesgebärerin, ja, die Mutter des Schöpfers ist und – weil Gott ihr als der Himmelskönigin daher (!) gehorchen muss.
Das Kopftheater reproduziert die mittelalterliche Welt zurück in die Zeit Jesu. Das zornige Gottesbild des Mittelalters wird not-wendend mit weiblicher Milde und femininer Stärke, barmherzige und verzeihende Güte ergänzt und ihm wird in Maria ein neues Gesicht gegeben. Kommt das davon, dass die Fantasie mit einem durchgeht?
Dem biblischen Ursprungszeugnis ist diese Gedankenwelt fremd. 
„Nicht Mann und Frau, sondern eins in Christus“ (Gal 3,28).

... und wo bleibt Josef?

Der fromme Mann wird nun zum Adoptivvater des Knaben Jesus. Dabei legt ihn das Evangelium auf die väterliche Erbfolge zu David hin fest.
Er zieht seine Hosen aus (vgl. Sterzinger Multscheraltar), damit das arme Kind wenigstens nicht friert. Ein feiner Kerl. Er kocht, macht Feuer und steht im Hintergrund der Krippe als Statist, den man nicht weglassen kann. Einer muss ja den Esel führen, auf dem Maria dann später zur Flucht nach Ägypten sitzt. Der Bengel ist zu klein, als dass Maria den alleine nach Ägypten hätte bringen können. Der abwesende Mann ist nicht ganz durchsetzbar. Was sollen denn auch die Leute sagen? Und wie sollten wir Familie begründen, wenn da kein Mann ist. Nee. Die Ikonographie der Jahrhunderte spricht (wenige) Bände über Josef. Das mag zwar rechtlich in Ordnung sein, besonders im Mittelalter, wo der Mantel um den Bengel gelegt wird, so ummantelt und beschützt ist der Kleine ein Adoptivsohn Josefs, des Nachkommens Davids.
Dumm nur, dass das Judentum eine solche Regelung nicht kennt. Das einzige, was man dort kennt, um fremde Kinder als Erben anzuerkennen, ist die Leviratsehe: die Frau nehmen, wenn der Bruder verstorben war. Da halten es die Juden sehr klar. Und dem Josef nimmt man sein Adoptivsöhnchen [beweistechnisch] wieder weg während man es ihm [spekulativ] zu geben versucht. Nicht mal den Mantel darf der arme Mann behalten. Den nimmt Maria und breitet ihn aus, sie bedeckt gleich die ganze Christenheit damit. Immerhin sind wir damit adoptiert, falls wir nicht leiblich Kinder Gottes sein sollten. 
Wir wissen das nicht so genau.
Wenn Josef also bereits ein Gesetzesbrecher war, der seine sündig gewordene, doch wirksam heilvoll umgedeutete Frau nicht verstoßen hatte, hatte der kleine Jesus ein interessantes Vorbild – und ein Vaterbild obendrein. 
Die abtrünnige jüdische Glaubensbewegung, die Jesus ins Leben rief, musste konsequent zu einem Bruch mit der jüdischen Königs- und Väterlinie führen: Der Sabbat wird nicht gehalten, Kranke werden geheilt, Theologen und Kleriker lächerlich gemacht, Banker aus dem Heiligsten vertrieben, Finanzbeamte und Steuereintreiber, Sünder und Unreine und Frauen zu Tisch gebeten und angefasst, dem Tempel wird der Abriss angedroht (was ein historisch bedeutsames Todesurteil zur Folge hat), die Beschneidung und alles andere vom mosaischen Gesetz fiel dann später auch noch weg.
Mit dem Josef hat die christlich-theologische Lesart der Bibel auch gleich alles jüdische wegspiritualisiert, das buchstäbliche Lesen wurde durch allegorische, „spirituelle“ geistgezeugte Lesedeutung ersetzt. Expatriierung generalis. Und wozu?
Zum Glück ist Maria inzwischen die Himmelskönigin, der sogar „Papa Gott“ gehorchen muss, möchte man süffisant bemerken. 
Vielleicht bringt die Frau wieder alles in Ordnung? 
Der Glaube an die (leibliche) Aufnahme Marias in den Himmel hat ihrer Rolle als Fürsprecherin eine neue Basis verliehen. Weit jenseits der Schrift, völlig spirituell, nur noch in der Tradition des Volkes Gottes, also aller Menschen, die glauben. Dumme Sache, was unter dem Mantel der Christenheit so passiert. Dies und jenes. Schlimmes und Gutes. Zweifach. Es ist halt ein Kreuz, mit uns.
Der sensus fidelium, der Verstand der Gläubigen kann nicht irren. Da die Kirche (Communio Sanctorum, Gemeinschaft der Heiligen) unter der Leitung des göttlichen Geistes steht (der einen Irrtum nicht zulässt) und im Laufe der Zeit immer tiefer in die geoffenbarte Wahrheit eindringt (?) und ab einem gewissen Zeitpunkt einhellig eine bestimmte Meinung über die Wahrheit hat, muss das, was die Kirche der Gegenwart als Glaubenswahrheit in Übereinstimmung lehrt, (wenn auch nicht explizit) bereits in der ursprünglichen Offenbarung enthalten sein. Logisch, oder?

Und wir?

Die meisten Menschen werden von Männern gezeugt, einige vom Geist, alle von beiden. Alle Menschen stehen von Anfang an unter dem Gnadenangebot Gottes. Berufen, diese Welt zu erlösen und zu heiligen. Es ist keine menschliche Existenz denkbar, die nicht von Gott getragen und angerührt ist. Jede einzelne. Auch Deine! 
Von Gott geliebt, berufen zu was einzigartigem: zu Dir selbst. 
Bist Du Dir Deiner Heiligkeit heute schon bewusst geworden?
Mit anderen Worten: 
Jeder von uns zeugt und empfängt, bringt Gott zur Welt, ist rein und heilig von Anbeginn und immerdar (alltäglich und alltagstauglich) und wird lebend in den Himmel aufgenommen (der ganze Mensch ist schon jetzt und dann auch noch bei Gott).

Papa Josef und Mama Maria

Vielleicht war er es ja doch, leiblich, der Erzeuger. Josef, der Papa von Jesus? Ein junger, knackiger, muskelprotziger Hitzkopf, rührend, sensibel und offen für Träume. Ein Traum-Mann. Ein Freigeist und Freidenker, einer, der seinen Geist für Gott offenhielt und das Gesetz gut kannte. 
Und diese Frau, die hieß Maria und, ja, also, als die da an der Zisterne saß, da wusste er, die ist es. Und sie lächelte zurück. Und sie verlobten sich, und ...
„Wie? Du bist schwanger? Von mir aber nicht. Das ist... Was? Ein Wort wars? Nicht ein Same? Nicht ich! Oh! Man hat uns heimlich knutschen sehen? Aber Maria, nun denkt doch jeder, wir hätte noch mehr gemacht. Haben wir denn vielleicht gar, war ich so hin und weg von Dir, du Schönste, dass ich mich und uns und es vergessen hab? Ach, das Wort geschah Dir, während ...? Ich glaub, ich träume. Moment, ich hab da eine Idee. Okay, machen wir’s so: was du im Fleisch austrägst, trag ich im Geiste aus. Das wird ein Junge, ich bringe ihm alles bei, was er im Leben braucht. Amen!“
Und sie lebten glücklich, bis sie den Knaben zum Tempel brachten.
War es so? Und wenn nicht, dann halt anders? Und wenn doch? Ja, und? Es wäre viel einfacher, vielleicht sogar glaubwürdiger, vielleicht sogar noch viel spiritueller, wenn auch mindestens genauso spekulativ wie alles andere.

Es ist so unerschöpflich, das Mensch-Sein. Immer wenn ich denke, ich weiß viel, entdecke ich etwas völlig Neues. Das Leben bietet mir eine Unzahl von Geschenken. Und es ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Neuem, sondern eine Vertiefung, ein Leben, ein Atmen, ein Herzschlag mehr, ein Träumen, ein Erahnen. Und das ist echt! Glaube ich wenigstens ...


Quellen: 

Josef Imbach: Marias Panzerhemd und Josefs Hosen. Patmos, Ostfildern, 2011 

Albrecht Koschorke: Die heilige Familie und ihre Folgen, Fischer, Frankfurt, 2000 
Patrick Roth: Sunrise, das Buch Josef, 2012)

Mittwoch, 2. April 2014

Impulse für die Fastenzeit (5. Woche)

  1. zuhören
  2. ermutigen 
  3. danken
  4. lieben 
  5. umdenken Aus einer anderen Perspektive anschauen, was wir in uns, im Leben, in anderen vorfinden. Den Blick und die Richtung wechseln, das Gegenteil von dem annehmen, was wir als mies, doof, schlecht, blöd, negativ und einfach "bäh" deuten. (Scheiße ist der beste Mist ;-) ) 
aktualisiert: 7.4.14
  • Es ist so. > Nein, es ist alles ganz anders :-)
  • Das war blöd von mir. > Ja, das war eine gute Entscheidung.
  • Da hab ich Mist gebaut. > Ja, das ist mein Leben.
  • Die anderen sind schuld. > Auch wenn mir die Konsequenzen weniger gefallen, es war meine freie Entscheidung, die Dinge getan zu haben, die ich getan habe.
  • Ich finde keinen Job. > Der Arbeitsmarkt bietet für jeden heute enorme Chancen.
  • Mir tut alles weh. > Es ist gut, krank zu sein. Ich lebe!
  • Der nervt. > Diese Beziehung bereichert mich.
  • Mir ist langweilig > Was kann ich heute lernen?
  • Da habe ich einen Fehler gemacht > Da habe ich etwas entdeckt, was mir fehlt.
  • ...
Dein Kopfkino läuft eh. Die Bilder wirken. Die Technik hast Du also schon längst drauf.
Umdenken beginnt damit, mal testweise das Gegenteil zu denken von dem, was Du bislang gedacht hast.
Es wird Dir, mit etwas Übung, helfen, eine völlig neuen Sicht auf die Welt zu erleben.
Und zu dieser neuen Welt wirst Du neue Gefühle entwickeln. Bessere!
Du wirst anders handeln als bisher, denn Du denkst auch anders.
Das führt zu völlig neuen Ergebnissen.
Es wird eine neue Welt hervorbringen. 
Stell dir vor, was dich gerade völlig aufregt geschieht zu deinem Besten für Dich und diese Welt. (Thomas Körbel)
Den Beweis treten wir im Academia Aurata Coaching täglich an.
Welche Erfahrungen machst Du damit? 

Karl Pilsl bemerkt in seinem Newsletter diese Woche, dass Abschalten einfacher sei als umdenken: 
Nach dem Abschalten sollte man wieder Einschalten - aber in ein anderes, besseres Programm wechseln. (Pilsl)
Wo auch immer Du hinschaust: Umdenken ist ein aktuelles Thema.
Deutschland, so unsere Analyse, steht gut da. Ein wichtiger Grund ist das einzigartige Ökosystem aus großen und kleinen Unternehmen, Zulieferfirmen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Forschungsverbünden. Das „Internet der Dinge“, wie das Zusammenwachsen von virtueller Datenwelt und Produktion genannt wird, verschafft gerade kleineren Unternehmen Vorteile: Standardisierte Massenproduktion war gestern, das magische Ziel ist die „Losgröße 1“ und entscheidender Wettbewerbsfaktor die Verkürzung der Rüstzeiten. (WirtschaftsWoche <agenda@mailservice.wiwo.de> 7.4.2014)
In dieser kleinen Passage finden sich genügend Hinweise, wo der Arbeitsmarkt hingeht. Produktion 4.0 heißt es auf der Hannover-Messe. Also ist es höchste Zeit für neue Wege in Job und Karriere.
Auch Arbeitgeber dürfen umdenken.
Und den Job bei Lidl an der Kasse kann sich frau auch abschminken. 
Es wird also für Arbeitnehmende höchste Zeit, die eigene kommunikative Kompetenz zu stärken und für Arbeitgebende das Change Management einzuleiten. 
Auch dafür stehen unsere Kollegen Joachim Studt und Jörg Dankert in der Academia Aurata
Beinahe hätte ich übersehen, dass die Wirtschaftswoche eine Aufforderung an die Politiker sendet; das Zitat oben wird folgendermaßen fortgesetzt: 
Dieser erstaunlichen Innovationsfähigkeit und -bereitschaft der Wirtschaft steht die rückwärtsgewandte Politik entgegen. Vorwärts nach gestern, scheint ihre Devise zu sein: Zurück zur Rente mit 63 und generell zu einem Sozialstaatsmodell, das schon unter Helmut Schmidt gescheitert ist. 263 Milliarden Euro wird allein die verkorkste Rentenreform von CDU und SPD kosten. Stellen wir uns mal vor, wie Gerhard Schröder es als Gedankenexperiment vorgeschlagen hat, nur der halbe Betrag würde in Bildung, Infrastruktur und Forschungsförderung investiert! Der so ausgelöste Zuwachs an Wachstum und Arbeitsplätzen würde mehr Wohlstand bewirken als alle diese künstlichen Rentenreformen und Mindestlohnregelungen, die viel kosten und doch nur Umverteilen statt Mehrwert zu schaffen. Der intellektuelle Graben zwischen einer zukunftsorientierten Wirtschaft und einer kleinkarierten Politik wird immer tiefer. Neu denken oder auch nur: erst mal denken! Das wäre auch ein Schlachtruf für die Berliner Politik. (WirtschaftsWoche)
 Und wie weit bist Du mit Deinem Umdenken? 

Sonntag, 16. März 2014

Wie du dich selbst ermutigen kannst

von Heinz Schüttler 

ermutigen

Wenn Dein Bogen zerbrochen ist, und Du hast keine Pfeile mehr, dann schieß! Schieß mit Deinem ganzen Sein. (aus dem Zen, vgl. Locccumer Brevier, 356)
Wenn wir von ermutigen sprechen, denken wir da zuerst an andere? 
Oder fängt ermutigen bei mir an? 
Wie steht es mit mir und meinem Mut? 
Wo war ich zuletzt mutig? 
Wie sieht Mut für mich aus? 
Woher habe ich mein Vorbild für den Mut? 
Vielleicht aus dem Fernsehen, oder aus Filmen, oder den Reden anderer, die mich beeindruckt haben? 
Ist mein Mut Mainstream oder eher außergewöhnlich?

Selbst ermutigen

Wenn ich andere ermutigen will brauche ich selber Mut. Und wenn es nur der Mut ist, erst auszuhalten und anzuerkennen, dass da jemand gerade gut ist. 
Was passiert dann in diesem Moment mit mir? 
Werde ich dann klein, oder gewinne ich vielleicht an Größe?
Diese Größe tragen wir als Menschen in uns. Mut ist für viele etwas Besonderes, das sie erst erreichen müssen. 
Dabei ist Mut vielmehr etwas, was schon in uns ist, denn sonst könnten wir unsere Existenz vielleicht gar nicht ertragen. 

Gottesermutigung

Wenn Gott Mensch geworden ist und den letzen und größten Schritt gegangen ist und gestorben ist: wozu das alles?
Die einen Interpretationen sagen, damit wir Menschen ihm nachfolgen. 
Damit sind wir schon gleich in eine Bring-Schuld hineingerutscht. Diese Interpretation versucht - leider - den Menschen zu verbessern und scheitert regelmäßig daran. Die täglichen Nachrichten, all das Schlimme, was in der Welt passiert und täglich über die Bildschirme in unsere Wohnzimmer, in unsere Köpfe, in unsere Seelen und Herzen flimmert, scheint dies eindrucksvoll zu belegen. Letztlich bestätigt dies nur das negative "Vor-Urteil" und lässt die Welt rund erscheinen. 
Zumindest lenkt es den Blick von vielen Menschen ab, von ihrer Größe und ihrem Mut.
Wie sieht die Alternative aus? Macht sie Sinn und ist damit sinnvoll? 
Was wäre, wenn wir unseren Mut entdecken? Wenn wir entdecken, wie dieser Mut schon von Anbeginn da ist, weil wir aus Gott heraus geschaffen sind und das Leben aus seinem Atem in uns tragen? (Gen  2.7)
Dann brauchten wir vielleicht weniger kämpfen, um uns zu behaupten. 
Wie befreiend könnte dies sein, nicht mehr beweisen zu müssen, das wir gut und mutig sind? Sondern zu begreifen, dass es schon so ist und vielmehr danach zu suchen, dies im Leben umzusetzen und zu verwirklichen, darauf zu verzichten Hürden aufzubauen, sondern diese eher abzubauen und sich mit anderen Mutigen zu verbinden. 

Die Fluten der Mutigen

Wenn diese Eindämmungen, die uns nur eindämmen und für andere fühlbar machen, verschwinden, dann werden die Fluten der Mutigen sich zusammenfinden und dieses "Wasser des Mutes" wird die Erde benetzen wie das Wasser, das im Schöpfungsbericht den Boden feuchtet als das Feldkraut noch nicht spross. 
Als aber "noch ein Wasserschwall hervorbrach aus der Erde und den ganzen Erdboden tränkte, da bildete der Herr, Gott, den Menschen aus Staub vom Erdboden und blies Lebensatem in seine Nase. So wurde der Mensch ein Lebendiges Wesen." (Gen 2.6-7, Zürcher Bibel)
Was kann dann alles bei uns sprießen? 
Eine "verrückter" Gedankengang! Allerdings wissen wir nur zu gut, dass unser Bild der Welt eine Interpretation, also rein subjektiv ist. Solch eine andere Sicht machte es schwerer Menschen zu führen - also schwerer "verführbar"? 
Dies ist schon einmal in einem Gedicht beschrieben worden.


Unsere tiefste Angst ist nicht,

dass wir der Sache nicht gewachsen sind.
Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich mächtig sind.
Es ist unser Licht, dass wir fürchten,
nicht unsere Dunkelheit.


Wir fragen uns: "wer bin ich denn eigentlich,

dass ich leuchtend, hinreissend, begnadet und phantastisch 
sein darf?"
Wer bist Du denn, 
dass Du das NICHT sein darfst?


Du bist ein Kind Gottes.

Wenn Du Dich kleinmachst, dient das nicht der Welt.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, 
wenn Du Dich einkringelst,
damit andere um Dich herum
sich nicht verunsichert fühlen.


Du wurdest geboren, 

um die Ehre Gottes zu verwirklichen, 
die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns,
sie ist in jedem Menschen.


Und wenn wir unser Licht erstrahlen lassen,

geben wir unbewusst den anderen Menschen
die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn wir uns von unserer Angst befreit haben,
wird unsere Gegenwart
ohne unser Zutun
andere befreien.
(Marianne Williamson, nach: Loccumer Brevier, 81.)


Umdenken braucht Mut. 

Er ist grundsätzlich möglich. 

Donnerstag, 6. März 2014

Wozu verzichten?

von Heinz Schüttler

Wozu verzichten?

In einem Fernsehmagazin bei RTL lief eine Umfrage, auf was die Deutschen in der Fastenzeit verzichten wollen. Immerhin wollten da 13% ihr Handy ausschalten, neben den üblichen Anliegen, wie Rauchen aufzugeben und den Alkohol wegzulassen. 
Verzichten soll uns unter anderem wieder sensibilisieren, damit wir die Dinge mehr wertschätzen können. Verzicht wird damit erst einmal zum Verlust. Der ein oder andere sehnt dann den Zeitpunkt herbei, an dem alles wieder erlaubt ist.

Wie wäre es, wenn fasten statt ein "weniger" ein "mehr" wäre? 

Und wenn ich mit dem "mehr" beginne und dann gleichzeitig ein "weniger" von anderem habe? Wenn dieses "mehr" so gut wäre, das es nach der Fastenzeit einfach bleiben darf und kann?
Das ist die Idee hinter unserem etwas anderem Fastenkalender.
Mehr Zuhören erspart Dir, etwas schnell kommentieren zu müssen, Du hast Zeit, darüber nachzudenken. 
Für Dein Gegenüber entfällt die Notwendigkeit, Deine Aufmerksamkeit einfordern zu müssen, oder darum zu buhlen. 


Weitere Vorteile sich vorzustellen ist Dir selbst überlassen. 

Wenn Du magst, kannst Du es auch ausprobieren.
Das Schöne daran ist, Du kannst jeden Tag damit neu starten, auch wenn es mal nicht so gut geklappt haben sollte.


Diese paar Minuten sind so wertvoll! Dabei spüre ich mein Herz , ganz tief drinnen , ganz deutlich. Und ich merke, da gibt es etwas " Göttliches" das mich berührt. Für mich ist das ein sehr bedeutender Teil der Fastentage. Nicht der Verzicht auf Alkohol, auf Süßigkeiten...... nein, das " mehr" an Hinwendung zu einem geliebten Menschen, einem Freund. Das "Zeit nehmen" für meinen Nächsten, ein Aspekt, dem in unseren heutigen umtriebigen Gesellschaft so wenig Beachtung geschenkt wird. Gerade durch mein Teilen, mein bewusstes Zeit-Nehmen für den anderen und seien es auch nur wenige Minuten am Tag, wird diese Fastenzeit so wertvoll für mich. Ich habe mir letztes Jahr ganz bewusst jeden Tag Zeit genommen , um meinem Mann eine SMS zu schicken, einen kleinen Brief zu schicken mit einem Gedicht, einem Bild oder ... Es war gleichzeitig ein Geschenk an mich. Denn in dieser Zeit war ich meinem Herz so nahe, wurde ich auch meiner Beziehung zu Gott viel bewusster als im täglichen Allerlei. Dafür werde ich mir in dieser Fastenzeit wieder Zeit nehmen! (R.S. aus S.) 

Mittwoch, 5. März 2014

Impulse für die Fastenzeit (1. Woche)

Unsere Impulse für diese neue Zeit

Warum nennen wir das Fastenzeit? Was assoziieren wir heute damit? 

Fast'ne Zeit? Also nix Echtes? Nicht an der Zeit? Fasten, nicht ganz zeitgemäß, oder doch? Es macht schließlich schlank, oder? Ja, und kann jeder brauchen, ich weiß. Natürlich und einfacher Leben ist auch auf jeden Fall besser als genussvoll genießend ungenießbar zu sein, weil man kränkelt ob des ganzen Luxus. Also eine Verzichtszeit? Eine Opferzeit? Sich bekämpfen, sich besiegen. "Ich will keine Schokolade essen", oder etwas anderes weglassen, solange Fastenzeit ist? Den Körper dressieren? Bodywellness? 

Sich freimachen von Abhängigkeiten? Das hat was. 
Das hilft, neue Wahrnehmungen zu erschließen. 
Das ist vernünftig, sinnvoll, gesund. Aber das ist kein Fasten.

Sack und Asche!

Es fängt am Aschermittwoch mit dem Aschenkreuz auf der Stirn an. 
"Das gehört dazu", sagt eine Teilnehmerin im Kurs, sie war mal obdachlos. 
Die Kirche nennt das, was dann bis Ostern kommt, Bußzeit, vorösterliche Bußzeit. 
Als ob es das einfacher machen würde. 
Buße? Hä? Büßen müssen wir, wenn wir Mist gebaut haben oder das Täfelchen Schokolade auf den Lenden monatelang weiterschleppen. "Das wirst du büßen", droht mir jemand was an. Strafe also? Ist die Fastenzeit eine Bestrafung? Man sollte diesen alten und veralteten Wort-Mist ausmisten. Das wäre mal ein Fasten! 
Und aufs Hirtenwort verzichten!

Was ist ein Fasten in den Augen Gottes? 

Gott fordert oder verlangt es nicht, das Fasten. Es ist gut, es ist vorteilhaft, zu fasten, aber keine Pflicht. In der Apostelgeschichte fasten Leute, bevor sie Entscheidungen treffen. (Apg. 13:4; 14:23). 
Das täte allen Politikern gut, oder? 
Aber lieber werfe ich einen Blick weg vom Weltlichen, hin zu Gott, dem Über-Weltlichen. 
Eine Veränderung der Konzentration auf einen Punkt außerhalb oder "oberhalb" von mir. Eine Beziehung vertiefen. 
Gutes tun. Anderen! Nicht sich selbst. Kein Wellness-Egokult, so gut er uns tut, holt das ein.
Und doch ist es auf eine gewisse Art mit Wellnessfaktor: 
Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur Gott, der auch das Verborgene sieht; und Gott wird dich belohnen. (nach Mt 6,17f.)
Fasten ist: Das Geschenk des Lebens hörend und handelnd annehmen. Mehr an Beziehung, zu sich selbst, zum eigenen Herzen, zu Anderen, den Mitmenschen, zu Gott.
Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.

Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt. Deine Leute bauen die uralten Trümmerstätten wieder auf, die Grundmauern aus der Zeit vergangener Generationen stellst du wieder her. Man nennt dich den Maurer, der die Risse ausbessert, den, der die Ruinen wieder bewohnbar macht. Wenn du am Sabbat nicht aus dem Haus gehst und an meinem heiligen Tag keine Geschäfte machst, wenn du den Sabbat (den Tag der) Wonne nennst, einen Ehrentag, den heiligen Tag des Herrn, wenn du ihn ehrst, indem du keine Gänge machst, keine Geschäfte betreibst und keine Verhandlungen führst, dann wirst du am Herrn deine Wonne haben, dann lasse ich dich über die Höhen der Erde dahinfahren und das Erbe deines Vaters Jakob genießen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen. (Jes 58,3-14, Einheitsübersetzung)
Faszinierende Bilder. 
Gehe gegen Unrecht vor, dann bricht Dein Licht hervor. 
Mach der Unterdrückung ein Ende. 
Gib Hungrigen Brot. 
Dann heilen und vernarben Deine (körperlichen und seelischen) Wunden und Verletzungen, dann bist Du im Gespräch mit Gott, hörst Gott. 
Dann bist Du erleuchtet, bist eine Quelle. 
Aus den Trümmern Deines Lebens heraus machst Du Kaputtes (den Ruin) neu bewohnbar. Mach einen heiligen Tag - ohne Geschäft(igkeit), dann gehts Dir gut.

Mehr Gott! 

"In den kommenden sieben Wochen werden Heinz und ich Impulse verfolgen, die um "mehr Gott" kreisen. Allen atheistischen Unkenrufen zum Trotz wollen wir das Leben und den christlichen Glauben feiern. Nicht Verzicht auf, kein Pflegen von, kein Besinnen auf, kein Weniger von Etwas, stattdessen ein Mehr von allem. Ein Mehr von Gott! Wir sind unersättlich.

Wir werden unser Leben anhand dieser Impulse kommentieren, reflektieren, erzählen, was wir erlebten - und unter dem Blickwinkel des gewählten Impulses mit Euch teilen.

Genauer heißt das: Vom 5.3. an, dem Aschermittwoch, bis jeweils zum folgenden Mittwoch verfolgen wir jeweils einen Impuls." (Blogzitat)

Die "geregelten" Themenwochen ...

  1. zuhören 
    Eben nicht reden, nicht kommentieren. ( Oder doch, hier im Blog, gerne! :-) )
    Doch der Schwerpunkt heißt: "Mach Augen und Ohren auf", und nicht die Klappe! 
    Lass das Gehörte mal stehen. Schweig, ruhig.  
    Genug der Worte. 
    Still werden. Leise sein. Hören. 
    Listen to the Sound of Silence!
    Geräusche, Worte und Wahrnehmen, was du hörst. Dich! Den Grund aller Dinge! 
    Oder noch etwas, nämlich ...?
  2. (folgt)

... vor ... 

Am Gründonnerstag (von "grein", freuen; was, gerade noch erkennbar im *grinsen* auftaucht), am Frohen Donnerstag also feiern wir "Abendmahl". 
Wie feiern wir das? Schaunmermal!  :-) Schaunmer-Mahl? 
Und dann beginnen die Kartage (vermutlich ist dieser Begriff abgeleitet von etwas, was wir heute aus dem Englischen als "care", "fürsorgend", kennen). 

Gott sorgt sich um uns, daher passierte das, damals! Das mit dem Jesus. Daher sollte ein Fasten auch, wie bei Jesaja, sich um den Anderen kümmern. Das tut uns gut. 

Dann tut Gott uns gut.

... Ostern


Und dann kommt "Ostern", die Auferstehung, der neue Mensch. 

Wirst Du einer davon? 


(Kommentiert von Thomas Körbel am 5.3. und 6.3.)

Donnerstag, 27. Februar 2014

Fasten regeln

Als Impuls zur Fastenzeit heute ein Beitrag von Heinz Schüttler


Zu Beginn der Fastenzeit werden von Menschen gerne Vorsätze gefasst oder alte Regeln wiederbelebt, auch wenn der bisherige Erfolg bescheiden war und die Freude daran gering.

Eine gute Gelegenheit sich einmal kurz damit zu beschäftigen.
Eine Regel z.B. eine Ordensregel heisst Regel, weil sie etwas regelt. 
Angesichts dieser vordergründigen Binsenweisheit, mag manch eine/r denken: „das geht ja schon gut los!“
Bei näherer Betrachtung sieht das dann doch anders aus. 

geregelt

Wenn nämlich etwas geregelt wird, mag manche Menschen die Angst beschleichen, dass sie damit Freiheit verlieren und Dinge über ihren Kopf hinweg von anderen Autoritäten entschieden werden. 
Recht schnell taucht dann der Ruf nach Autonomie auf. 
Das Interessante dabei ist, wie schnell sich Menschen an diesem Punkt in einem dualistischen Denkmuster befinden und verstricken (und die Autonomie ist da eh schon futsch, da das Wort Regel nur noch mit dem Begriff Freiheit als Gegenpart gedacht wird). Dem einen wird ein positiver Wert zugeschrieben und der andere Begriff wird automatisch negativ bewertet.
Dabei folgen viele Menschen Regeln, z.B. der Straßenverkehrsordnung und darüber hinaus sogar ganz persönlichen „Gesetzen“, die oft nicht als solche wahrgenommen werden. 

ungeschriebene Regeln

Die ungeschriebenen Regeln, Gesetze gar, sind oft die härtesten, z.B. „Wer nicht arbeitet, ist faul“. Es gibt  sicher einige fragwürdige Exemplare von solchen Regeln. Manche tarnen sich auch als Meinung, Urteil, Haltung, Ethik, Werte oder einfach als eine Aussage.
Kein Wunder  dass viele Menschen versuchen solchen Regeln möglichst zu entkommen. 
Was ist also eigentlich das Problem? 

Die Fastenzeit?

Ist die Fastenzeit vielleicht eine Einladung, solche Regeln zu hinterfragen und eigene Regeln sorgfältig auszuwählen? Sie könnten ein paar neue Regeln für den persönlichen Gebrauch aufstellen und sie dann ausprobieren. 
Vielleicht scheitern Sie daran - vielleicht aber auch nicht. 
Wie gehen Sie damit um?
An diesem Punkt kann vielleicht gerade das Scheitern an Regeln ein Spiegel für Bedürfnisse sein, die Sie nie wahrgenommen wurden. 
Vielleicht ist das für Sie ein erster Schritt zu einer neuen Achtsamkeit und einer neuen Ehrlichkeit mit sich selbst? 
Sollten sich ein paar taugliche Regeln, vielleicht sogar alltagstaugliche Regeln herauskristallisiert haben, sollten Sie diese nach Ostern über Bord werfen, nur weil die Fastenzeit vorbei ist?


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Unsere Impulse für diese neue Zeit

In den kommenden sieben Wochen werden Heinz und ich Impulse verfolgen, die um "mehr Gott" kreisen. Allen atheistischen Unkenrufen zum Trotz wollen wir das Leben und den christlichen Glauben feiern. 
Nicht Verzicht auf, kein Pflegen von, kein Besinnen auf, kein Weniger von Etwas, stattdessen ein Mehr von allem. Ein Mehr von Gott! 
Wir sind unersättlich. 
Wir werden unser Leben anhand dieser Impulse kommentieren, reflektieren, erzählen, was wir erlebten - und unter dem Blickwinkel des gewählten Impulses mit Euch teilen. 
Genauer heißt das: Vom 5.3. an, dem Aschermittwoch, bis jeweils zum folgenden Mittwoch verfolgen wir jeweils einen Impuls.  


Ab Aschermittwoch gibt es hier im Blog den ersten Impuls zu lesen!

Da liest Du schon vorher, was auf Dich zukommt!

Mittwoch, 12. Februar 2014

In drei einfachen Schritten schnell zum Job

Nach wie vor halte ich die Zielgruppenkurzbewerbung (ZKB) für eine einfache und schnelle Strategie, die sofort Resultate bringt. Diese Methode wurde in zahlreichen Fällen angewendet und führte zu 
  • Jobs, 
  • zu sinnvollen Tätigkeiten 
  • oder zur Erkenntnis, dass eine neue Idee her muss, denn der bisherige Job oder der angestrebte Job zeigt sich mangels kurzfristigem Ergebnis schnell als Sackgasse. 
Die Zielgruppenbewerbung gehört daher für mich zu den Methoden die eine "A-Werbung" im Gegensatz zu einer "B-Werbung" sind. Also, denken Sie um! 
  • A-Werbungen sind interessant, sie wecken Aufmerksamkeit, 
  • B-Werbungen sind langweilig. 
Klar ist, dass nur ein kleiner Teil aller verfügbaren Jobs in Stellenanzeigen veröffentlicht wird. Hier geistern einige Zahlen durchs Netz, und diese mögen interessengeleitet sein. Ich halte eine Grobschätzung von 80:20 für realistisch. Auf eine ausgeschriebene kommen weitere vier offene Stellen. Der größte Teil offener Stellen ist im „grauen Arbeitsmarkt“ verborgen, kann aber mit kreativen Strategien vom Arbeitssuchenden erschlossen werden. 
Fakt ist daher: 
  • Stellen sind heute mit größerem Erfolg selbst zu erschließen. 
  • Auf Stellenanzeigen zu reagieren, ist eine zweite Möglichkeit, nicht die erste und schon gar nicht die beste. Das kann jeder. 
Hier setzt das Konzept der ZKB an. 
An mögliche Arbeitgeber wird eine "A-Werbung" geschickt.  Wie gehen Sie am besten vor?

1. Erarbeiten Sie eine auf Sie zugeschnittene ZKB

Sie besteht aus zwei Seiten: 
  • einem Anschreiben auf der einen Seite
  • und einem Kurzprofil (oder einem Lebenslauf) auf einer weiteren Seite. 
Was sollte enthalten sein? 
Bieten Sie in klaren, kurzen und knackigen Aussagen Ihre Arbeitskraft als Problemlöser an. 
  • Was nützen Sie dem Unternehmen? 
Ihre beruflichen Qualifikationen und Erfahrungen sind natürlich zwingend erforderlich, zeigen Sie aber Ihre Einsatzmöglichkeiten auch auf unter den folgenden drei Fragestellungen
  • "Wer bin ich?" 
  • "Was biete ich meinem zukünftigen Chef?" – und vielleicht noch 
  • "Was suche ich?"
Zum Beispiel sieht das so aus: 
  • "Wer bin ich?" 
Hochmotivierte Akademikerin (46 Jahre alt) 
  • "Was biete ich meinem zukünftigen Chef?"
langjährige Erfahrung im operativen Personalgeschäft und Office Management
engagierte Mitarbeit
  • "Was suche ich?"
Assistentin in Teilzeit (ca. 25 Std.).

Der wesentliche Kern der ZKB ist Ihr Berufsprofil, einer kurzen Darstellung Ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen, das fett in der Betreffzeile dargestellt wird. Das obige Beispiel sieht dann so aus: 
Hochmotivierte Akademikerin (46 J.) mit langjähriger Erfahrung im operativen Personalgeschäft und Office Management, bietet Ihrem Unternehmen engagierte Mitarbeit als Assistentin in Teilzeit (ca. 25 Std.) an. 
oder so: 
Motivierter Chemieingenieur (28) mit praktischen Erfahrungen in analytischer und organischer Chemie, Biotechnologie und Biochemie bietet Ihnen tatkräftige Unterstützung bei der Lösung chemisch-technischer Fragestellungen.
oder so: 
Teamorientierter Informatiker (35) mit umfassenden Kenntnissen aktueller Hard- und Software und hoher Begeisterung für die IT bietet fachlich kompetente und zielorientierte Mitarbeit an Projekten im Testen von Software, Customer Support sowie System- und Netzwerkadministration.  
oder so: 
Als examinierte Altenpflegerin (35) mit langjähriger Berufserfahrung im Bereich Pflegeheim, ambulante Pflege und mit behinderten Kindern in Schule, Freizeit und auf Freizeitfahrten, biete ich Ihrem Unternehmen einfühlsame, kompetente, verantwortungsbewusste Mitarbeit als Alltagsbegleiterin in Teil- oder Vollzeit an. 
oder so: 
Engagierter junger Mann (20) mit zweijähriger Ausbildungserfahrung als Koch, mit Kenntnissen der gutbürgerlichen Küche sucht eine Möglichkeit, im Raum Aschaffenburg seine Ausbildung abzuschließen. Ein Umzug ist sofort möglich.
Was passiert? 
Die Betreffzeile wird immer gelesen! Und schon haben Sie Aufmerksamkeit erreicht. 

Was in der "Betreffzeile" nicht mehr passt, aber dennoch wichtig ist, erwähnen Sie wie in einem klassischen Anschreiben im Brieftext. 
Sie schließen ab mit einem ähnlichen Satz wie folgender: 
"Gerne sende ich Ihnen meine ausführlichen Unterlagen und Zeugnisse zu." 
Grußformel, Unterschrift und ab in die Post. 
Aber an wen?

2. Legen Sie die Zielgruppe fest

Für den Erfolg einer ZKB ist die gezielte Auswahl und Ansprache potentieller Arbeitgeber entscheidend. Klassische Bewerbungsmethoden kommen mir immer wieder vor wie 
  • ins Auto setzen
  • Motor anlassen
  • Gas geben
  • dann überlegen, wo es hingehen soll. 
Es lieht nahe, anders vorzugehen, wenn man losfahren möchte, bevor der Tank leer ist. 

Wo sitzt der (die) eine, der (die) sie dafür bezahlt, was sie alles können? 
Adressen suchen können Sie überall: z.B. in den Gelben Seiten, in Branchenverzeichnissen, im Bundesfirmenregister, auf den Seiten der IHK, der Handwerkskammern, auf wer-zu-wem.de, bei wer liefert was und sogar, man glaubt es kaum, in Stellenanzeigen. :-) Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die ZKB-Unterlagen nicht nur auf den "grauen" Markt zu versenden, sondern auch für ausgeschriebene Arbeitsstellen zu nutzen.
  • Wo soll es hingehen?
    Ziel und Zielgruppe: Wer sind Ihre möglichen Arbeitgeber?
  • Motor anlassen: Was können Sie alles?
    Qualifikationen
    Erfahrungen
    Stärken
    Fähigkeiten
    übertragbare Fähigkeiten
    Zielgruppe der Kollegen und Kunden: mit wem wollen Sie arbeiten?
    Interessensgebiete: Was interessiert Sie und was können Sie wie schnell lernen?
    Übrigens: Quereinstiege sind einfacher als Sie glauben. Wir helfen Ihnen gerne dabei. 
  • Gas geben: Was kann ich denn noch?
  • Noch mehr Gas geben: Was kann ich denn darüber hinaus auch noch?
  • Kupplung langsam kommen lassen: Schreiben Sie Ihre ZKB
  • losfahren: Briefe versenden
    Übrigens: 
    Eine ZKB spart Geld (€ 0,60 für die beiden Blätter, solange das Porto in dieser Höhe bleibt!)

Der Erfolg lässt sich sogar noch erhöhen, wenn die ZKB nicht an „Sehr geehrte Damen und Herren“ sondern an einen konkreten Ansprechpartner adressiert ist, der ein Entscheider sein sollte. Bei mittelständischen Unternehmen sind das in der Regel die Geschäftsführer. Informationen dazu erhalten Sie z.B. auf den Internetseiten der Firmen. Dort finden Sie übrigens auch Hinweise über die aktuelle Firmensituation, laufende und zukünftige Projekte etc. 

3. Erhöhen Sie Ihre Schlagzahl: "100 ist besser als 50"

Übrigens: Eine ZKB spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit. 
Versenden Sie die ZKB in hoher Stückzahl  an die von Ihnen gezielt ausgewählten Arbeitgeber. Wenn Sie wollen, als Serienbrief. ;-) 
Hat ein potentieller Arbeitgeber Interesse an Ihnen, wird er sich melden. 
Senden Sie sofort (!) nach Aufforderung Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen zu.
Es kommt häufig direkt und telefonisch zu Gesprächseinladungen. Seien Sie also darauf vorbereitet, frisch rasiert und gepflegt, gut angezogen, geputzte Schuhe und Sie können heute noch persönlich dort erscheinen. 
Was ist das, was sonst noch passieren kann? 
  • Es kommt keine Antwort? 
  • Es kommen Absagen? 
  • Juchee! Freuen Sie sich auch über Absagen. Dort müssen Sie schon nicht arbeiten. 
Hat ein potentieller Arbeitgeber kein Interesse an Ihnen, wird er sich natürlich nicht melden. Absagen sind Gold wert, da es Ihnen auf diese Weise möglich ist, nach einem angemessenen Zeitraum sich evtl. nochmals zu bewerben oder telefonisch nachzufragen. 
Sie haben normalerweise einen konkreten Ansprechpartner und eine Telefondurchwahl auf der Absage. Und mit einem Namen kommen Sie immer weiter! 

Der Arbeitsmarkt kann auf diese Weise schnell und zügig auf Ihre Einsatzmöglichkeiten hin erforscht werden. Mit diesem Erkenntnisgewinn lässt sich auch schneller erkennen, dass eine neue Idee umgesetzt werden kann. Wir helfen Ihnen gerne dabei.