Sonntag, 29. Juni 2014

Der Club der toten Dichter

Der Club der toten Dichter. Reflexionen zum Film und zu meinen Erfahrungen



wiederveröffentlicht aus aktuellem Anlass 

Freitag, 6. Juni 2014

Pflege-Aufstand oder Personal-Aufstand?

Auf Zeit Online findet sich ein Artikel von Anne Kunze und Marlies Uken zur Bewertung von Pflegeheimen. 
Aus aktuellem Anlass hierzu Gedanken von Rolf Ochs (auf Xing), dem Pflegesachverständigen der Academia Aurata.



Benotung ist Auslegungssache

Die Benotung in der allgemeinen Beurteilung der Pflegedienstleistungen, wie sie hier vorgeschlagen wird, ist in Ordnung. Nur die Auslegung lässt sehr zu wünschen übrig. 
Wie haben wir schon in der Schule gelernt? 1-6 = Sehr gut bis Ungenügend. Sehr gut bis ausreichend , also 1-4 entspricht der allgemeinen Norm und ist mindestens genügend, alles was schlechter ist muss berichtigt und verbessert werden.
Bei der jetzigen Beurteilung muss schon eine 1,5 berichtigt und verbessert werden. 
Ist das unsere Wunschvorstellung in der Gesellschaft, höher besser weiter, die Fürsorge für unsere Mitbürger soll eine Leistungsschau oder gar Sportveranstaltung werden? 
Die ersten Worte in diesem Artikel sind bereits nur negativ Beispiele. 
Eine Schlagzeile wie zum Beispiel: 

"Pflegeheim betreut und pflegt seine Bewohner zur vollsten Zufriedenheit" 

suchen wir wohl für noch lange Zeit vergebens. Die angegebenen Argumente sind immer wieder "nicht menschenwürdig", "keine Zeit" - niemand sagt "keine Kollegen". 

Personalnotstand? 

Wir können mit einfachen Mitteln einige Misstände aus dem Weg räumen. Jedoch bedarf es den Mut, das Engagement und die Einsatzbereitschaft der leitenden Pflegenden, die als Vorbild erscheinen sollen. 
Machen wir uns erst einmal Gedanken. 
Nicht, was kostet das? Sondern: Wie kann man das ändern? 

Wie kann man das ändern? 

Ich bin der festen Überzeugung, durch gut ausgebildetes Pflegepersonal ohne Wenn und ohne Aber für unseren Beruf und unser Ansehen in der Gesellschaft können wir den ersten Schritt in eine generationenübergreifende gut zusammenlebende Gesellschaft gehen. Dazu möchte ich ermutigen. Die Kontrollen eines MDK's können wir dann nach und nach vergessen, denn "schwarze Schafe" werden sich ganz von selbst erledigen!
Die Kollegen die sich für den MDK, also zum Kontrollieren, nicht zum Beraten und Helfen entschieden haben, sind meines Erachtens auf dem Holzweg. 
Es gäbe eine bessere Strategie. Aufsicht und Hilfe kann man auch mit einer "Pflegekammer" erreichen, analog den Handwerkskammern, und so ließe sich den Pflegeheimen, Wohnheimen, Seniorenresidenzen, Pflegediensten und anderen Betreuungseinrichtungen in besserer Weise helfen.

Rolf Ochs
Pflegesachverständiger, Pflegefachkraft

Freitag, 30. Mai 2014

Die Frohe Botschaft der Exkommunikation.

Papst exkommuniziert Chefin von "Wir sind Kirche"

Die österreichische Vorsitzende der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche" wurde exkommuniziert. Martha Heizer und ihr Mann dürfen nicht mehr an den Sakramenten teilnehmen. 
Die strengste Strafe, die die Kirche verhängen kann, weil zwei Menschen, die nicht zu Priestern geweiht waren, in ihrem Privathaus Messen gefeiert  haben? 
Es heißt, von den Missbrauchstätern sei bislang keiner exkommuniziert worden. Ich kann das nicht überprüfen.
Aber mit welchem Maß wird da gemessen? 
Das vermeintliche schwere Vergehen, das Martha Heizer vorgeworfen wird, begehen täglich auf der Welt Hunderte von katholischen Gruppen. Es ist eine Folge des Priestermangels, dass Gläubige manchmal auch ohne geweihten Priester gemeinsam Gottesdienst feiern. Statt das zu bestrafen, sollte man diese Form des Laienengagements begrüßen und sich darüber freuen. Christian Weisner (30.5.2014)
Wenn ich also zukünftig ein Brot breche, und einen Wein trinke, und dabei einen Segen spreche, exkommuniziere ich mich dann auch selbt?
Oder werde ich ausgeschlossen, wenn ich das auch noch öffentlich bekannt gebe? 

Also, ich sehe das so:
Entweder war das unerlaubt und ungültig. Denn wenn die beiden nicht geweiht waren, war das keine Messe, im katholischen Sinne. 
Dann sehe ich keinen Grund für eine Strafe.
Dann wäre es einfach nur ein Irrtum der Handelnden. 
Das sowas in der Kirche bestraft wird, befremdet, wirkt wenig menschenwürdig. 

Die Frohe Botschaft dieser Exkommunikation.

Oder war das gottesdienstliche Handeln gültig?
Das muss wohl so sein. Das legt die Bestrafung nahe. Nur geweihte Pfarrer dürfen das.
Und das ist ein Grund zur Freude, denn wenn das "gültig" und somit bestrafenswert ist, was Frau Heizer tat, dann "funktioniert" das Geschehen der Messe, die Wandlung und Transsubstantiation, auch ohne Weihe. 
Das wäre nun wahrhaft die Frohe Botschaft dieses Urteils. 
Eine gültige Wandlung von nichtgeweihten Menschen. Laien, bei den Katholiken. Also ist das von allen Evangelischen, allen ordinierten Männer und Frauen und allen Laien gültig. 
Endlich sind wir autonom. 
Das Priestertum aller Gläubigen, verwirklicht, und durch ein Urteil der Kirche bestätigt. 
Ein Schritt weiter, das Klerikertum abzuschaffen? 
Habt Mut, zu wandeln, zu feiern. Wandelt. Wandelt Euch, wandelt die Welt! Denkt um! 
Gültige Messen feiern. Für alle. Mit allen. Das ist gelebte Spiritualität und Seelsorge. 
Wie der in den Menschen verliebte Gott es wollte.

Ich breche gerne das Brot. Trinke Wein, symbolisch, zeichenfaft, und bete dazu einen Segen. Allein, wie es sich für einen Eremiten gehört.
Und ich überlasse es anderen, darüber Ihren Hirtenstab zu brechen. 
Wer will feiert mit. Virtuell, oder real. Das macht keinen Unterschied, im Geiste. 

Lies auch hier zum Thema Papst. 

"Wer sind wir, dass wir uns anmaßen dürften, Türen zu schließen, die der Heilige Geist öffnen will?" (Papst Franziskus)

Montag, 12. Mai 2014

Wie Du Deine Sehnsucht steigerst

Gebet der Sehnsucht

Dein Sehnen ist dein Gebet
Und wenn es ein ununterbrochenes Sehnen ist,
dann ist es ein immerwährendes Gebet.
Willst du ohne Unterlass beten,
dann höre nicht auf,
dich zu sehnen.
Dein Sehnen ohne Unterlass ist deine
ununterbrochene Stimme.
Wer sich sehnt,
singt im Herzen,
auch wenn die Zunge schweigt.
Wer keine Sehnsucht hat,
ist stumm vor Gott,
wie laut auch sein Schreien
in den Ohren der Menschen widerhallt.
Aber wer sich sehnt, singt im Herzen,
auch wenn die Zunge schweigt.
(Augustinus)


Sehnsucht gehört zu jedem Menschen

Man muss mit allem zufrieden sein. 
Das höre ich oft. 
Haben solche Menschen die Sehnsucht aufgegeben? 
Oder haben sie all ihre Sehnsucht ins Reich der Träume verwiesen?
Nur Mut, suche sie wieder! 
Jeder Mensch sehnt sich im Grunde nach Geborgenheit, nach Liebe, nach wahrer Heimat, nach Echtheit und Freiheit. 
Für mich sind das große Sehnsüchte, die letztlich nur von Gott erfüllt werden können. 
Letztlich nur von Gott bedeutet: Menschen und Dinge sind da nur vorläufige Sehnsuchtserfüller. 
Die können es, bis zu einem gewissen Grad, ja. Das ist gut. 
Und dann fehlt doch noch was. 
Was?
Sehnen kommt von liebend verlangen, sich härmen. Es hat mit Schmerz zu tun. 
Aber es ist ein süßer Schmerz. Denn der Mensch fühlt sich in der Sehnsucht durchaus lebendig. Er spürt, dass die Sehnsucht etwas ist, was ihn über diese Welt hinaus führt. 
Ohne den geht es nicht. 
Mehr Sehnsucht? 

Bei Sehnsucht fehlt noch was

Ob Du willst oder nicht, in allem, wonach Du leidenschaftlich suchst, sehnst Du Dich letztlich nach Gott. 
Ein Beispiel gefällig? 
Wenn Du mit allen Kräften nach Reichtum aus bist, so wird der Besitz Deine Sehnsucht nicht erfüllen. In der Suche nach finanzieller Unabhängigkeit steckt die Sehnsucht nach Ruhe, nach Zeit, nach Freiheit, dass Du endlich zu Dir selbst kommen kannst, dass Du etwas tun kannst, was Dir mehr Freude gibt als das, was Du jetzt tust. 
Wenn Du nach Erfolg strebst, nach Anerkennung, so steckt dahinter die Sehnsucht, wertvoll zu sein. Aber Du weißt, zugleich, dass kein Erfolg Deine Sehnsucht zu stillen vermag, wenn Du Dich nicht selbst wert-schätzt. 
Du erfährst auch Deinen göttlichen Wert erst in Gott. 
Wenn Du Dich nach Freunden sehnst, suchst Du nach Unabhängigkeit, nach Echtheit in Beziehungen, nach mehr, spürst Dich in Deiner Gebrochenheit und willst vom Menschen ganz gemacht, geheilt werden, suchst nach dem Deinen, suchst Dich, spürst, Du hast Dich noch nicht. Du kannst nicht lieben, willst haben, willst mehr sein. 
Und manchmal setzt Dich ein Mensch auf Entzug. 
Sehnsucht ist eine gute Sucht. 
Sie ergreift Dich ganz. Du spürst die Sehnsucht in Dir. 
Im Lateinischen heißt Sehnsucht desiderium. Das kommt von den sidera, den Sternen. Sehnsucht ist also der Weg die Sterne auf die Erde zu holen. 
Die Sehnsucht bringt den Himmel auf die Erde. 
Sie schafft in Dir den Raum der Weite und des Himmels. Dein Raum. 
Pocht in Dir auch eine solche unerfüllte Sehnsucht nach mehr und nach dem Ganz Anderen? 
Lass Sie wachsen und sich vermehren. 
Wenn alle sich mehr sehnen, wird auf die Grenzen des Wirklichen ein starker Druck ausgeübt werden. Dieser Druck wird ein Ergebnis herbeiführen. 
Die Erfüllung der Sehnsucht. 

Es folgen nun in der Academia Aurata ein paar Tage der Abwesenheit.
Vielleicht wird auch meine und Deine Sehnsucht nach ihr damit größer ;-) 


Montag, 5. Mai 2014

Freundschaft schließen heißt sich öffnen

Freundschaft

Andere Dinge übrigens waren es, die an den Freunden das Gemüt stärker anzogen: Miteinander plaudern und zusammen lachen und sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen, gemeinsam schöne Bücher lesen, miteinander scherzen und sich gegenseitig Achtung schenken, bisweilen sich veruneinen, aber ohne Hass, so wie man auch einmal mit sich selber uneins ist und eben durch den nur seltenen Streit die sonst bestehende Eintracht würzen, einander belehren und voneinander lernen; die Abwesenden schmerzlich vermissen, die Kommenden freudig begrüßen; durch solche und ähnliche Zeichen, wie sie Liebe und Gegenliebe aus dem Herzen sich äußern in Kuss und Wort, in Blicken und in tausend freundlichen Gesten einander in Bewegung versetzen , so dass aus den vielen eine Einheit wird. Dies ist es, was man an den Freunden liebt und dermaßen liebt, dass man sich Gewissensvorwürfe machte, wollte man nicht Liebe mit Gegenliebe, Gegenliebe mit Liebe vergelten, wollte man vom anderen noch Greifbareres verlangen als solche Beweise des Wohlwollens. (Augustinus: Bekenntnisse IV,8,13, nach verschiedenen Übersetzungen)

Freundschaft ist nahe an der Liebe

Augustinus war ein Mensch, dessen Freunde ihm sehr viel bedeuteten. Freundschaft steht für Augustinus sogar ganz nahe bei der Liebe: Zwei verlangen danach, eins zu sein. Er schreibt, dass er seine »Seele und die Seele seines Freundes als eine Seele in einem zweifachen Leben erlebt«.[1] Er erlebt das wohl deshalb so, weil Freunde es wagen, einander »all ihr Inneres anzuvertrauen«.[2]
  • Es ist klar, dass eine solche Übereinstimmung zwischen zwei oder mehr Menschen für Augustinus eine Art Vorgeschmack auf den Himmel ist. 
  • Dass Freunde einander die Wahrheit sagen, ohne sich gegenseitig zu verurteilen[3] und nicht in allen Fragen übereinstimmen müssen, gehört auch dazu. 
  • Es geht nicht darum, Freunde zu haben, sondern selbst Freund für andere sein zu können. »Ohne Freunde könnte ich nicht glücklich sein«, schreibt er.[4] Es ist daher auch verständlich, wenn er die Anwesenheit seiner Freunde vermisst.[5]
Wenn er über Freundschaft nachdenkt, hat er nicht den gegenseitigen Nutzen im Auge, der durchaus auch dabei sein kann, ebenso wie gegenseitige Hilfe und Unterstützung im Alltag oder in besonderen Situationen. 
Nein, Augustinus meint den Freund selbst, nicht seinen Besitz, seine Eigenarten, seine Qualitäten oder seine Begabungen. Ehrlichkeit und Offenheit, Offen-herz-igkeit, sind natürlich Eigenschaften, die auf die möglichen Freunde anziehend wirken. 
Ohne diese und ohne Treue und Vertrauen kann es keine Freundschaft geben. 
Schmeichelei (adulatio, wörtl. Schwanzwedeln) und Harmoniesucht sind der Tod der Freundschaft. Dies gilt auch für die Blindheit. Kritik ist erlaubt, auf Fehler wird aufmerksam gemacht: 
»Nicht jeder, der Nachsicht übt, ist ein Freund; nicht jeder, der uns hart anfasst ein Feind« (Spr 27,6)
»Du liebst deinen Freund, in dem du verabscheust, was ihm schadet.«[6]
Und natürlich erhofft man sich in einer Freundschaft auch nur wohlwollende Zeichen und erwartet z.B. keine Schläge. Freunden geht es also darum, das Wohl des Anderen zu wollen, zuerst für den Anderen, dann für beide.
Er lässt Freunde nicht alleine, wenn sich in ihrem Leben etwas ändert: 
»Der Freund wird plötzlich arm, du willst nichts mehr von ihm wissen? Dann war sein Geld dein Freund und nicht er selbst.«[7] 
Man kann einander noch immer das Wohlwollen schenken, auch wenn man nichts hat.

Schlechte Freundschaften?

Allerdings geht Augustinus nicht soweit, dass er für den Freund sündigen würde, nur um seine Freundschaft zu erhalten. 
Schlechte Freundschaften sollte man sogar nach seiner Ansicht schleunigst beenden, jedoch nicht beim kleinsten Fehler bereits die Freundschaft in Frage stellen.
Beweisen aber kann man Freundschaft nicht. (vgl. Blogbeitrag zu Vertrauen)

Freundschaft schließen heißt sich öffnen

Die gegenseitigen Gefühle und Empfindungen der Freundschaft, das Wohlwollen kann man zwar spüren, aber nicht erzwingen. Freundschaft ist und bleibt ein Geschenk. Und sicher geht es um eine Entscheidung, man "schließt" Freundschaft. 
Augustinus weist niemanden ab, der Freundschaft mit ihm schließen will, ohne selbst gleich diesen in die Freundschaft aufzunehmen. Aber er ist bemüht, diesen Menschen so zu behandeln, dass er in die Freundschaft aufgenommen werden kann.
In jeder Lebenslage braucht man Freunde oder muss sie sich suchen, und ohne Freunde ist alles nichts: 
»Sobald gute Menschen da sind, meistert man die Schwierigkeiten.«[8]
Und in den guten Menschen, den Freunden sieht Augustinus Gott tätig. 
Ja, er geht sogar noch einen Schritt weiter und sucht die Nähe von Freunden, weil er genau da Gott, man könnte sagen "mit Haut und Haar gegenwärtig" erlebt:
»In die Arme lieber Freunde fliehe ich gern mit meinem ganzen Ich, wenn ich müde bin von den Widerwärtigkeiten des Lebens; in ihrer Liebe finde ich Ruhe und Frieden. Denn ich spüre: Da wohnt Gott. Und ihm überlasse ich mich sorglos.« (Augustinus: Brief 73,10).
Stell Dir vor, Du wärst ein solcher Freund. 
Und so lass uns einander Freunde sein! 
Ich freue mich auf Dich. 



[1] Liebe - was ist sie anderes als ein Leben, in dem zwei sich einen oder eins zu sein verlangen? So erlebe ich meine Seele und die Seele meines Freundes als eine Seele in einem zweifachen Leben. (Augustinus)[2] Von dem können wir sagen, dass er in die Freundschaft aufgenommen ist, dem wir all unser Inneres anzuvertrauen wagen. (Augustinus: Über 83 verschiedene Fragen 71,6)[3] Niemand kann in Wahrheit der Freund eines Menschen sein, wenn er nicht zuvor ein Freund der Wahrheit ist. (Augustinus: Brief 155,1); Niemals dürfen wir über einen unbekannten Menschen ein Urteil fällen; und keinen können wir erkennen, es sei denn durch Freundschaft. (Augustinus: Über 83 verschiedene Fragen 70,5)[4] Bekenntnisse VI,16,26.[5] Ich empfinde Schmerz, lieber Freund, dass ich dich nicht sehe, und doch tröstet mich gerade dieser Schmerz. Deshalb missfällt mir die Willenskraft, mit der man die Abwesenheit guter Menschen, wie du einer bist, zu ertragen versucht. Ich kann mich der Sehnsucht nicht erwehren, und wenn ich es könnte, wäre es ein entsetzliches Können. Es freut mich, dass ich es nicht kann, und in dieser Freude liegt mein Trost. (Augustinus: Brief 27,1)[6] Predigt 49,5,5,8[7] Vgl. Tars van Bavel: Charisma: Gemeinschaft; 52ff.
[8] Wenn Armut uns bedrückt oder Trauer uns lähmt, körperlicher Schmerz uns quält oder wir traurig in der Ferne weilen, - was immer an Unglück uns treffen mag, sobald denn gute Menschen da sind, die nicht nur mit den Frohen sich zu freuen wissen, sondern auch mit den Weinenden zu weinen, ein aufmunterndes Wort sprechen oder ein Gespräch anknüpfen können, dann sind die Widerwärtigkeiten meist schon gelindert, das Schwere wird leicht, und man meistert die Schwierigkeiten. In ihnen und durch sie wird aber ER tätig, der durch seinen Geist andere gut macht... So ist im Gesamt menschlichen Lebens nichts, was uns freundlich ist, ohne die Freundschaft eines Menschen. (Augustinus: Brief 130, II, 4)

Samstag, 26. April 2014

Vertrauen

von Jörg Dankert und Thomas Körbel
"Krise wird wirklich aus Mangel an Vertrauen.", Karl Jaspers
Vertrauen braucht einen guten Grund. Einen guten Grund, auf dem es wächst, und bestehen bleiben kann.
Besser, es hat mehrere gute Gründe.
Aber das ist nicht das wesentliche Merkmal von Vertrauen.

1. Vertrauen muss immer über gute Gründe hinausgehen, sonst ist es keines.

Vertrauen darf in einer Beziehung enttäuscht werden können, obwohl der Vertrauende genau das nicht erwartet, gar befürchtet.
Aber es "sollte" natürlich nicht enttäuscht werden. Niemals.
Denn erst im Aufheben des Vertrauens überwindet das Vertrauen die Ungewissheit.
Das meine ich in der Hegel'schen Doppelbedeutung, im Negieren und im Aufbewahren oder Aufgehoben-Sein oder Geborgen-Sein.
Der Zweifel wird anfangs da sein, ob das Vertrauen gerechtfertigt ist. Vielleicht bleibt er lange.
Zweifel am Vertrauen hält alles wach, das Ringen, das immer wieder neu Erringen, das Vergeben und Verzeihen und das Wachsen.
  • Geht der Zweifel, kommt Gewissheit.
Da gibt es zwei Möglichkeiten:
a. Gewissheit, dass Vertrauen missbraucht wurde, dann ist Vertrauen weg. In solchem Aufheben ist kein Vertrauen mehr. 
Oder aber - und das ist wünschenswert -
b. Gewissheit, dass Vertrauen eingehalten wurde. Und damit auch zukünftig eingehalten werden wird. Hier bleibt Hoffnung, doch keine Erwartung darf da sein.

2. Du gewinnst Selbstvertrauen

Du gewinnst Selbstvertrauen, wenn Du zuerst darauf vertraust, dass Du ganz und gar angenommen bist.
  • Indem ich Dir vertraue, ermutige ich Dich, mir zu vertrauen.
Ich kann Dir (als einem anderen Menschen) nur vertrauen, wenn ich ein gesundes Selbstvertrauen habe und - wenn ich Gott vertraue.
  • Vertrauen ist Festigkeit und Treue.
Ich stehe in mir fest. Ich stehe zu mir. Ich stehe für mich ein - und für dich.
Als Christ glaube ich, dass ein anderer, Gott, vorher bereits zu mir steht. Mir wurde zuerst Vertrauen geschenkt.
So bin ich auch fähig dem anderen Vertrauen zu schenken und zugleich Vertrauen zu vermitteln. Nicht nur aus mir heraus, aus meiner eigenen Kraft.
Manchmal sehnst Du Dich, Dich fallenzulassen, getragen zu sein.
  • Getragen zu sein ist Vertrauen.
In der Natur erfahre ich es, wenn ich mich in eine wunderschöne Wiese lege und mich von dieser (von ihrem Duft, ihrer Sanftheit, Weichheit, ihrer Lieblichkeit, den Schmetterlingen, die ich dort fliegend finde) tragen lasse. Ich erlaube mir, so zu sein, wie ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen. Wenn ich das mir erlaube, dürfen auch andere so sein, wie sie sind.

3. Vertrauen ist natürlich

Vertrauen braucht einen guten Boden, einen durchlässigen, einen nährstoffhaltigen. Dann können wunderbare, stabile Wurzeln entstehen. Und diese Wurzeln halten den Stürmen des Lebens stand. Diese Wurzeln brauchen Wasser, Nährstoffe, sonst vertrocknen sie. Diese Wurzeln brauchen den Schutz der Mutter Erde, von Sonne und Mond, von Wasser und Luft.
Vertrauen ist also niemals eine Einbahnstraße, keine Sackgasse, sondern immer nähren und wachsen und zurückgeben.
  • Vertrauen ist eine faszinierende Erdung.

4. Wer Menschen vertraut, profitiert langfristig.

  • Du investierst Deine Zeit (durch die Information, das Sichten der Auswahl, den Weg zum Arbeitsplatz, deine Arbeitszeit, ... )
  • Du investierst Gleichgewicht (Wird diese Begegnung eine win-win-Situation oder gewinnt nur einer? Wer? Der Chef, der Kunde, nur Du? Dein Freund, Partner, ...)
Wer auf Kosten anderer Erfolg haben will, wird sich schnell verlieren. Wenn nur einer gewinnt, ist der Gewinn schal. 
  • Du investierst Deinen Wert. Du zahlst einen Preis, und du bekommst einen Gewinn (Geld in Honorar, Lohn, Gehalt, ... - auch wenn Du in der freundschaftlichen Begegnung nicht mit Geld bezahlt wirst.) 
  • Du investierst Dein Vertrauen (Du verlässt Dich darauf, dass der Andere sich an Abmachungen hält. Du gewinnst Sicherheit.) 
  • Du investierst nun auch Dein Bedürfnis nach Sicherheit. (Was geschähe, wenn der Andere die Freundschaft, Beziehung beendete, den Arbeitsvertrag kündigte? Er ließe Dich gestärkt zurück.)
Kurz: Du baust eine Vertrauensbeziehung auf, in der Du wächst.

5. Ohne Vertrauen geht kein Geschäft, kein Job, keine Feundschaft

Wer in wirtschaftlich unruhigen Zeiten handelt, egal ob Mensch oder Unternehmen (= eine Ansammlung von Menschen), für den wird Vertrauen zum wichtigsten Erfolgsfaktor. 
  • Vertrauen der Mitarbeiter in die Unternehmensführung, dass dort die richtigen Weichenstellungen vorgenommen werden. 
  • Vertrauen der Unternehmensführung in die Mitarbeiter, dass jeder seinen Teil zur Zukunft des (gemeinsamen) Unternehmens beiträgt.
  • Vertrauen der Kunden zum Unternehmen, dass die Produkte und Dienstleistungen halten, was sie versprechen.
  • Vertrauen in der Unternehmung an sich, dass die eigenen Schwächen optimiert, die eigenen Stärken gestärkt und die Zukunft gemeistert wird.
Ich bin davon überzeugt, dass Vertrauen ein Trainingsprozess ist. Wer nach einer Enttäuschung sagt, er könne sich nie wieder auf jemanden einlassen, nimmt sich selbst ganz viele Möglichkeiten. (Verena Bentele) 

6. Wie gewinnst Du?

Wir betreuen, beraten und begleiten Dich, Dein Unternehmen, Unternehmer - Organisationen und Menschen
Das Beschäftigen mit und das Einsetzen von Change Management und Organisationsentwicklung schafft Vertrauen zwischen uns und legt den Grundstein für eine durch Vertrauen geprägte Unternehmenskultur.
Am Anfang einer Beratung steht das Erstgespräch. Das ist kostenfrei und unverbindlich. Und es bleibt kostenfrei, wenn ein Vertrag zwischen uns zustande kommt. 
Die Schritte, die wir im Rahmen dieser ersten Zusammenkunft mit den Klienten und Kunden gemeinsam gehen, sind: 
  • Einander kennenlernen und schauen, ob die Chemie zwischen uns beiden (oder drei) Menschen und unseren "Mentalitäten" stimmt. 
  • Wir erfahren Deine Situation und Deine Kultur. Oder die Situation Deines Unternehmens. 
  • Du, als Kunde bzw. Klient, wirst Dir ein Bild von uns als Menschen und als Berater machen. 
  • Stimmt die Chemie wird über die Ziele gesprochen, die Du hast. 
  • Wir zeigen, was wir dazu beitragen können. 
  • Gemeinsam wird die aktuelle Situation vor dem Hintergrund des Beratungszieles betrachtet, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo Du bereits wie weit bist. 
  • Wir entwerfen ein erstes Bild eines Konzeptes, wie die Betreuung, Begleitung und Beratung ausschauen könnte und wie es sinnvoll zu einer ersten Aktion kommen kann. 
  • Schließlich werden weitere Themen, die Dir, dem Kunden und Klienten, am Herzen liegen, besprochen.

Mittwoch, 16. April 2014

Ostern

Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?

Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte? Warum hören wir, was wir schon wussten und warum gehen wir zurück zum Anfang?
Diese Nacht ist so anders, weil Gott mich daran erinnern will, dass ich als ein einmaliger Mensch geschaffen wurde, als Mann und als Frau. Ich soll nochmals und wieder und immer wieder hören und lesen, was unerhört ist, was ich schon wusste, soll es neu zu hören, weil Gott mich kennt und weiß, dass ich dazu neige, zu vergessen, was ich bin:
Ein einmaliger Mensch.
Mit meinen Fähigkeiten kann ich vor Gott stehen, mit meiner Lebensgeschichte, mit traurigen Erlebnissen, mit Krankheit, Tod und Verlust, mit vielen Erfahrungen, die mich geprägt haben — manche mehr, als mir lieb sind.
Auch mit meinen freudigen Augenblicken stehe ich vor meinem Gott, mit meinen Gedanken, Sehnsüchten, mit den Hoffnungen, aus denen ich meine Träume und Visionen schöpfe, und mit dem Willen, meine Zukunft auf diesem Planeten zu gestalten.
Und ich soll es nicht nur nochmals hören — ich will es auch hören, was ich schon längst weiß, weil Gott mir Freiheit schenkt in seiner genialen Schöpfungs-Ordnung.
Denn es ist — gottlob — nicht mein Schicksal, wie die Sterne über Raum und Zeit hinweg zu leuchten, nicht wie die Seetiere bin ich verdonnert, im Meer zu wimmeln; bin nicht wie die Kriechtiere auf dem Erdboden: aufrecht darf ich sein und gehen.
Gott richtet, richtet es, mich richtet Gott auf.
Ich darf selbst meinen Ort suchen und gestalten, kann wählen, wo ich mich engagiere und kann auch von dort wieder weggehen an einen neuen Ort — oder auch einmal ganz weg aus diesem Leben.
Denn manchmal ist meine Energie zu Ende, da wünschte ich mir, es gäbe ein Ort, an dem mein ruheloses Herz Ruhe findet, da wünschte ich mir eine Heimat und Geborgenheit, eine Problemlosigkeit, die es auf dieser Erde nicht gibt, da möchte ich mit jemandem zusammen sein, bei dem ich einfach so sein darf, wie ich bin.
Dann möchte ich, dass die Schöpfung ihren Atem anhält — für einen Moment, Karsamstag, nur eine kleine Atempause bitte.
Und schon geht es weiter, unerwartet und plötzlich geht es immer weiter und weiter, und es wird Abend und es wird Morgen und es wird und wird und wird — und ich?
Bin ich schon ganz fertig? Schon fix und fertig? Also vollendet? Fix und fertig bin ich oft, erschöpft, aber kaum fertig und zu Ende geschöpft, geschaffen, vollendet.
Vielleicht fange ich heute mal wieder ganz neu an.
Ein Wunsch, den ich mir erfülle,
  • eine Hoffnung, die ich laut denke,
  • ein kleines Licht,
  • ein neuer Atemzug
und siehe: es ist sehr gut: Ich bin ein Mensch — und ich werde...

Schöpfung — Gen 1,1-2.2

Sie ist so mehrstimmig in ihrer Einzigartigkeit, diese Nacht, sie ist so anders, weil sie nicht nur gibt und schenkt, sondern weil sie auch fordert.
Gott schenkt mir, und verlangt zugleich, was mir in dieser Nacht zugesprochen wird.
Und diese Nacht will ich es nochmals hören, das Oftgehörte Unerhörte Ungehörige.
Diese Nacht hat es in sich, das Geheimnis.
Diese Nacht geht mit mir das Risiko ein, dass ich sie missverstehe, wie alle Geheimnisse.
Vielleicht werde ich dazu neigen, Dinge, die mir lieb und teuer sind, etwas schnell und bereitwillig aufzugeben. Vielleicht werde ich als Willen Gottes deuten, weil ich etwas höre, was Gott mir gar nicht sagt. Das Risiko des Irrtums bleibt mir in dieser so anderen Nacht, weil ich ein Mensch bin, in dieser Welt — und es gehört zu meiner Freiheit, die ganze Geschichte falsch zu verstehen — leider Gottes.
Aber wenn ich mich traue, einmal gegen meine bisherigen Überzeugungen zu handeln, wenn ich mein mir Liebstes einmal aufzugeben bereit bin, kann es geschehen, dass sich zum Segen wendet, was als Schrecken begann.
Und wenn ich aufschaue, wenn ich auf euch schaue, dann sehe ich, dass Gott anders will und anders ist, nicht nur diese Nacht, und das will ich jetzt noch einmal hören: dass Gott sich mir in seiner ganzen Unbegreiflichkeit vor Augen stellt und mir sogar in den Ohren dröhnt.

Opferung des Isaak — Gen 22,1-18

Diese Nacht ist so anders, weil mich erinnert, dass ich ein Gefangener bin, Sklave in fremdem Land. Oft genug meines eigenes Lebens, meiner Gedanken Gefangener,im Kopfkino verirrter. Vorgegebenes als auch Selbstgewähltes bestimmen mein Leben. Mein Selbstverständnis beschränkt mich wie meine Rolle am Arbeitsplatz: Sklave des Zwanges, Geld verdienen zu müssen. Knecht auch der Familie, waschen, putzen, spülen, stopfen, mein Leben in meinen alltäglichen und nichtalltäglichen Aufgaben.
An meinen Grenzen ecke ich an und hole mir blaue Flecken — und ich falle und stehe wieder auf. Mein Tagesablauf, meine Notwendigkeiten — es ist vieles geregelt.
Das ist sehr gut, doch möchte ich manchmal vor mir davon laufen.
Gott erinnert mich in dieser Nacht, dass ich aufbrechen kann.
Nicht alles ist auf ewig zementiert, was mich im Moment nicht atmen lässt.
Gott erinnert mich, dass die Entscheidung zum Aufbruch bei mir liegt; es gibt keine unüberwindlichen Hindernisse. Ich muss kein anderer sein als der, der ich bin, aber es fordert Bewegung, genau dieser auch wirklich zu sein.
Und manchmal dauert es lange, lange, bis ich endlich aufbreche und kaum auf dem Weg, bekomme ich Angst vor meinem eigenen Wagemut.
Bisweilen muss ich aber zu meinem eigenen Heil manches zurücklassen, wenn nicht gar alles. Manchmal muss ich sagen: So nicht mehr und das ist vorbei. Mit mir nicht!
Das ist der Preis meiner Freiheit, er ist oft hoch, aber ihn nicht zu zahlen, wäre ein Verrat an mir selbst. Und so sage ich, mit Freude und Trauer zugleich, will es sagen: "Nach mir die Flut" — auch, wenn ein Ägypter das sicherlich anders sehen würde.

Exodus — Ex 14,15-15,1

Diese Nacht führt mich in die merkwürdige Beziehung Gottes zu den Menschen ein, ja, zu mir.
  • Eine Liebe, die mir un-verständlich ist, so wie meine Liebe unerhört ist/bleibt ... Mein Verstand fasst sie nicht.
  • Eine Liebe, so unglaubwürdig, unerhört, ungehörig, unmoralisch, weil ich sie so sehr anders erfahre als ich sie gerne hätte.
  • Eine Liebe, so groß, dass sie außerhalb meiner Erfahrung ruht, weil kein Mensch auf diese Weise mich je geliebt hat.
Daher fürchte ich mich vor dieser schwer nachvollziehbaren Treue Gottes zu mir.
Aber auch weil ich so wechselhaft in meinen sturmgepeitschten Gefühlen bin.
In dieser Liebes-Nacht erinnert Gott mich als geprüftes Gegenüber; und nach meiner Empörung über diese merkwürdige Erziehung von sich annäherndem Entziehen und von neuem verlassenen Nahekommen, spüre ich, fern von Bedrängnis:
Ich muss mich nicht mehr fürchten.
Staunend sehe ich: ein Trost steigt auf aus meiner Klage, Flut schwemmte nicht alles weg, nicht alles ist gescheitert, dort am Kreuz — und ich, wo stehe ich?
So langsam verspüre ich wieder einen festen Boden unter den Füßen.

Jerusalem — Jes 54,5-14

Diese Nacht ist so anders, Gottes Nacht ist sie und Gottes Vergeltung bedeutet, dass andere Maßstäbe gelten als bei mir. Gott ruft nicht nur mich, auch andere Menschen, dies ist die Andere Nacht, die selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, Gott und Menschen verbindet. Nicht alleine bleibe ich in meiner Nacht-Klage.
Gemeinschaft ruft mich.
Aber kein Herrschen über, kein Dienen unter mir.
Geld, Ansehen, Position, Studium und Bildung, Geschlecht, Lebensform, Privilegien  — unsere Unterscheidungen kennt Gott nur zu gut, sie sind nicht mehr brauchbar.
Gott ruft, und ich darf, frei und mutig, Gott Gott sein lassen, darf mich an Menschen binden: Mich erhört und erinnert ein Gott mit Gedanken, die nicht meine Gedanken sind und erinnert ein Gott mit Wegen, die nicht meine Wege sind.
Und mir an manchen Begriffen die Zähne ausbeißend, entdecke ich doch im Wort Gottes einen Geschmack, der vorher nicht da war; überschmeckt war.
Denn nun, da ich Unerhörtes höre, lebe ich.
Mein Durst wird gestillt, und schaut: auch mein Hunger findet Nahrung an Gottes Tisch.

"Auf Ihr Durstigen, kommt" — Jes 55,1-11

Diese Nacht ist so anders als alle anderen Nächte, sie öffnet mir Augen und es wird mir immer heller, neues Leben regt sich.
Es will heraus. Das Innere.
Mir ist, als ob ich schwanger wäre.
Direkt vor mir, genau da, eine Tür, eine Öffnung, die mich aus einem dunklen Grab, dem schlafend ruhenden Leib hinaus, in eine zauberhafte, helle Landschaft führt. "Du Gott des Lichts auf dessen Reich der helle Schein der Sonne weist." (Hymnus zur Sext)
Gerade eben neu gemacht, so sieht sie aus.
Als Nicht-Abgenutzte, Nicht-Verschlissene, erkenne ich sie kaum wieder, da ich den Raum dahinter noch nie betrat.
Kein blinder Gehorsam zwingt mich, zu gehen.
Ein sehendes, freies Einverständnis drängt mich, den Schritt zu wagen.
Ein Rufen!
Zitternd sag ich mein "Hier bin ich".
Weisheit und Einsicht, von Gott gelehrt, von mir so lange nicht gewollt, schwer erkannt, unter Schmerzen geboren. Und habe kein Wort, kein Gefühl, kein Bild zu zeigen als mich selbst.
Das ist die Kraft meiner Nacht, die mich gefunden hat, die mir eine Tür in einen neuen Morgen öffnet.
Ich weiß nicht, soll ich durch diese Tür gehen?
Ich möchte so gerne, doch was ist mit euch?
Geht ihr mit?
Lasst bitte, zurückbleibend, mich nicht alleine gehen, sonst will ich auch bleiben — hier im Dunkel — mit euch.

Lerne, wo Lebensglück ist — Bar 3,9-15 und 32-4,4

Diese Nacht, so anders!
Gott, erinnert mich, erhört mich. Gott ist ein leidenschaftlicher und lebendiger Gott, ist sinnlich, spielerisch, mal zärtlich und mal wild. So nimmt er mich, lässt sich immer wieder neu auf mich ein.
Da, ein Schlag dringt nach Außen. Ein Herz-Schlag. Ein Stein bricht auf, wo mein Herz war — und da schlägt es wieder und wieder und wieder mit ruhigem Puls.
Gott macht lebendig, wieder lebendig.
Fleisch und Blut, und es heilt jetzt leise unter uns. Erstarrt war, lebendig wird — spürt ihrs? Es glüht, wird wärmer, heller, lichter, klarer.
Wo ich gescheitert bin, kommt neu das Leben in Fülle, reinigendes Wasser, neue Gedanken in neuem Geist. Und aus der Nacht, die über mich kam, aus der Dunkelheit, von der die Nacht stammt, in der ich lebe, wird Kraft, große Kraft:
Gott, ich glaube dir diese Nacht.
Und ich höre, hört ihrs nicht? Da lebt was. Da wacht etwas auf vom Tode.

Die Verheißung eines neuen Lebens — Ez 36,16-17a.18-28

Christus ist auferstanden!

Es folgen die neutestamentliche Lesung und das Evangelium
Röm 6,3-11


Evangelium Mt 28,1-10

http://jobo72.wordpress.com/2014/04/17/millionen-christen-durfen-nicht-feiern/

Wir dürfen feiern! Christus ist auferstanden!