Montag, 29. September 2014

Effata

Effata-Ritus zur Taufe

(zur Taufe meiner Nichte A.)

Der Herr lasse dich heranwachsen und reifen; 
und wie er mit dem Ruf "Effata" dem Taubstummen Ohren und Mund geöffnet hat, 
so öffne dir Jesus Christus alle deine Sinne, 
damit du sein Wort und deine Mitmenschen hörst, 
damit du die Wunder seiner Schöpfung siehst und mit deinem Herzen schaust, 
damit du den Duft der Erkenntnis Christi riechst und seine heilende Nahrung schmeckst, 
damit dich die Weisheit Christi erfülle und du seinen Glauben mit deinem Mund bekennst, 
damit dich Liebe berührt und du mit deinem Körper Liebe erfährst und lieben lernst 
und so alles Schöne unserer Welt aufnehmen kannst zum Heil der Menschen und zum Lobe Gottes.

© Thomas Körbel 

Mittwoch, 27. August 2014

Die Seele fliegen lassen mit Augustinus

Zum Fest des Hl. Augustinus

© Thomas Körbel (2004, 2014)

Zu welchem hohem Ziel soll der Glaube die Christen beflügeln?
Doch zu nichts weniger als mit Gott zu leben, eins zu sein mit Gott, und untereinander in Liebe verbunden.
Doch wie behäbig, wie verzagt bleiben die Christgläubigen allzuoft.
Wie klein sie oft gehalten werden — und wie klein sie sich selbst doch oft halten.

Satire

Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard schrieb eine, vielleicht bissige, vielleicht witzige Satire über die christlichen Gottesdienste:
»Denke dir, es wäre so, dass die Gänse reden könnten. Dann hätten sie es doch so eingerichtet, dass sie auch ihren Gottesdienst hätten, ihre Gottesanbetung. Jeden Sonntag kämen sie zusammen, und ein Gänserich predigte. Der wesentliche Inhalt der Predigt wäre: welche hohe Bestimmung die Gans habe,
zu welch hohem Heil der Schöpfer die Gans bestimmt habe.
Mit Hilfe ihrer Flügel könne sie fortfliegen in ferne Gegenden, selige Gegenden, wo sie eigentlich hingehöre. Denn hier sei sie nur ein Fremdling.
So ginge es jeden Sonntag.
Darauf trennte sich die Versammlung, jede watschelte nach ihrer Behausung.
Und dann am nächsten Sonntag wieder zum Gottesdienst und dann wieder nach Hause.
Dabei blieb es.
Denn mochte am Sonntag die Rede noch so erhaben klingen, die Gänse wüssten sich am Montag zu erzählen, wie es einer Gans gegangen sei, die ernst hatte machen wollen mit Hilfe der Flügel, wie es ihr ging und welche Schrecknisse sie aushalten müsse.
Freilich: Am Sonntag davon zu reden, das wäre unpassend.
Dann würde ja offenbar, dass unser Gottesdienst eigentlich darin besteht, Gott und uns selber zum Narren zu halten, sagten sie untereinander. Auch fänden sich unter den Gänsen einige, die mager würden und leidend aussähen. Von ihnen hieß es unter den Gänsen: Da sieht man, wohin es führt, mit dem Fliegen ernst machen zu wollen. Weil sie sich im Stillen mit dem Gedanken tragen, fliegen zu wollen, deshalb gedeihen sie nicht, sie haben keine Freude an der Gnade Gottes, wie wir es tun. Deshalb werden wir rund, fett und lecker.
Und am nächsten Sonntag gingen sie dann wieder zum Gottesdienst, und der alte Gänserich predigte von den hohen Zielen, zu denen der Schöpfer die Gans bestimmt habe, wozu sie ihre Flügel hätten.
Ebenso ist es mit dem Gottesdienst der Christenheit.«

Seelenflug (eine Ansprache)

Mal angenommen die Satire von Sören Kierkegaard ließe sich irgendwie auf uns übertragen, auf die Beziehung der Christen zu ihrem Gott, auf unsere Suche nach Gott, auf unsere Art, Gottesdienste zu feiern und unseren Glauben zu leben.
Dann wäre doch die Frage aufgeworfen, warum unsere Seelen so selten fliegen?
Warum sie wie niedergeschlagen auf dem Boden liegen bleiben und warum uns nach den Gottesdiensten der Alltag oft schneller einholt, als uns lieb ist.
Da ich immer wieder von Menschen höre, dass dem so ist, stelle ich weitere Fragen: 
  • Warum vergessen wir oft sehr schnell, was wir hier hörten, noch bevor wir das Kirchengebäude verlassen haben?
  • Warum ist unsere Seele, unser Inneres oft nicht begeistert, nicht wirklich ergriffen vom Wort Gottes? 
  • Geben wir vielleicht vorschnell den Versuch auf, unsere Seelen zu Gott fliegen zu lassen; ich meine: noch bevor wir es versucht haben? 
  • Lassen wir uns einreden, wir seien klein, unfähig, weil schuldbeladen, sündig? 

Also dann: Wie kann sich unsere Seele hier und jetzt aufschwingen in die Gegenwart Gottes?

Die Frage hinter diesen Fragen

Klingt die Rede von der Seele für unsere modernen Ohren nicht zu erhaben, zu überspannt und sowas von idealistisch?
Ist die Rede von der Seele also frommes Gesülze oder ist sie das, worum es in unseren Gottesdiensten eigentlich wirklich und immer, einzig und allein geht?
Wir sind es gewohnt, bescheiden zu bleiben und verwechseln dies nur zu gerne mit Demut, damit bleiben wir klein und weit hinter unseren Möglichkeiten.
Augustinus mahnt uns:
»Es wird dir nicht gesagt: Sei etwas Kleineres als du bist, sondern: Erkenne, wer du bist und werde du selbst!« (Predigt 137,4,4)

Jesus ist gekommen, dass wir Leben haben —— überreich, in Fülle.

Leben zu haben bedeutet, Gott zu besitzen, der das Leben ist.
Mit anderen Worten: Jesus ist gekommen, damit Gott in unserem Leben vollkommen gegenwärtig sein kann.
Was bedeutet es also, auf Gott zu hören, auf den guten Hirten, seinen Sohn?
»Ihr habt es eben gehört, meine Schwestern und Brüder, als das Evangelium verlesen wurde — natürlich, wenn ihr nicht nur das Ohr des Leibes, sondern auch [das Ohr] des Herzens offen hattet.« (Augustinus, 8. Predigt, in: Unteilbar ist die Liebe, S. 12; Sätze wie diese stehen immer wieder in Augustins Predigten...)
Also, was hörten wir? Mit unseren Herzen? Wir hörten: 
Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, so schulden auch wir, einander zu lieben. (1 Joh 4)
Papst Johannes Paul II. hat einmal bei einer Generalaudienz mit einem Verweis auf Augustinus die Christen aufgerufen, "Propheten des Friedens und der Liebe" zu sein.
Das bedeutet doch wohl dies: Wenn wir auf Gott hören, dann lieben wir einander, dann erkennen wir Gott. Wenn wir einander lieben, ist Gott da. Und dann sehen es auch die, die nicht glauben oder nicht mehr in die Kirche gehen. Wer nicht liebt, hört nicht und erkennt nicht — und wird auch nicht erkannt. Dessen Seele fliegt dann auch nicht.
Aber — werdet ihr fragen:
Was heißt das überhaupt, die Seele fliegen zu lassen?
Wer von euch einmal verliebt war oder einen Menschen liebt, hat eine Ahnung davon, was es heißt, dass die Seele fliegt. Und dieses Empfinden — überreich — das ist Gottes Nähe.
Glaubt ihr, dass Gott euch liebt?
(Ihr schweigt?)

Ich muss vielleicht noch mal anders anfangen:
George Lucas, der Macher der "Star Wars" Filme sagte einmal:
Ob gut oder schlecht, der Einfluss der Kirche wurde aufgelöst. Film und Fernsehen geben uns vor, wie wir unser Leben führen sollen."
Wisst ihr was, ich glaube er hat recht. Wer außer den wenigen in den Gemeinden, wer hört noch auf das, was die Kirche sagt? Und hören wir richtig, also mit dem Herzen?
Und gleichzeitig: ich entdecke immer wieder die feinen Spuren des Evangeliums im Kino, wie Gott auch dort zu Menschen spricht. Was wäre das auch für eine Frohe Botschaft, die nicht alle möglichen, neuen, phantasievollen und ja, selbst solche Wege gehen würde, die für uns ungewohnt und befremdlich sind? Will sie doch auch von jenen empfangen werden, die Gott nicht mehr in der Kirche hören wollen. Das bedeutet es zumindest für mich, wenn ich höre, dass mein guter Hirte noch andere Schafe hat, die nicht aus dieser Herde sind. Auch die muss er führen, dass sie seine Stimme hören.

Hallelujah

Eine Ahnung, was das Fliegen meiner Seele anbelangt, habe ich im Kino bekommen, als ich die Neuverfilmung von "Ladykillers" der Brüder Coen sah. Einige Szenen spielen im Gottesdienst einer von Afroamerikanern besuchten Freikirche. 
"Hallellujah", schreit der Prediger (was auf Deutsch ja: "Lobt Gott" bedeutet) und er ruft der Gemeinde zu: 
"Gott liebt euch."
Ja, schreit die Gemeinde begeistert zurück.

Und hier, als ich eben fragte?
Schweigen!

(Wenn wir jetzt im Fernsehen, wären, würde ich euch so lange anfeuern, bis das wirklich gut klappt, so wie die Athleten in Olympia die Hände heben und die Leute klatschen lassen, um selbst angefeuert zu werden. Aber wir sind ja nicht im Fernsehen. Wir feiern Gottesdienst.)

Haben wir etwa Angst?
Jetzt laut zu werden und zu rufen, empfinden wir als peinlich, als blamabel, wie unpassend für solch einen heiligen Ort — und auf keinen Fall tut man sowas nicht im Gottesdienst, und es entspricht nicht unserer Mentalität in ekstatisches Geschrei zu verfallen während der feierlichen Andacht inmitten eines christlichen Gottesdienstes. 
Und außerdem, ja, außerdem sind wir hier nicht im Film.
Wirklich nicht?

Wenn ich die Predigten des Heiligen Augustinus lese, lese ich Mitschriften eines Ereignisses, keinen trockenen Text. In meiner von Filmen genährten Fantasie steht vor ihm eine Gemeinde, die lebt, die auf seine Worte reagiert, die dazwischenruft, Fragen stellt. Eine Gemeinde, die mitfeiert, die mit-denkt. Augustinus rührt ans Herz seiner Zuhörer (davon kann ich nur träumen) und er ist zugleich ziemlich locker. Er predigt zu Menschen: Matrosen, Handwerker, Bauern, einfache Leute, vielleicht einige in der Stadt ansässige Beamte, Gebildete, und da, auf den Ehrenplätzen, ein paar Reisende, Bewunderer des Predigers, die gekommen sind, seine Weisheit zu hören. Sie waren sicher enttäuscht, denn der hochgebildete Augustinus war sich nicht zu schade für derbe, gewöhnliche und sogar ordinäre Ausdrücke ("Vulgarismen"). Augustinus predigt vor seiner Gemeinde und fragt:
Warum aber, wenn die Liebe erwähnt wird, springt ihr auf, applaudiert und stimmt zu?
und an anderer Stelle:
Die Liebe wird erwähnt und ihr brecht in Beifall aus.
Also, da ging es anders zu als bei uns, doch eher wie im Film, oder?
Ich liege sicher falsch mit der Annahme, dass euer Schweigen von vorhin bedeutet, dass euch diese Liebe Gottes nicht die Bohne interessiert. Wir müssen ja auch nicht laut schreien. Ein wenig Begeisterung und ein frohes Lächeln wären aber schon mal ein guter Anfang. Das würde zeigen, dass in unseren Gottesdiensten Herzen berührt werden und Seelen anfangen, Flugversuche zu unternehmen.
Dann und wann hab ich das auch schon mal erlebt.

Gott sehen

Natürlich darf's nicht beim Lächeln bleiben, es gehört noch ein wenig mehr zur gelebten Liebe, davon wisst ihr vielleicht mehr und anderes als ich. Wenn wir aber einander lieben, erzählen wir uns gegenseitig davon, und Gott, so sagt uns die Schrift, bleibt eins mit uns — und wir sehen Gott.
Augustinus sagt:
»Du kannst mir sagen: Ich habe Gott nicht gesehen! Kannst du mir etwa auch sagen: Ich habe den Menschen nicht gesehen? Liebe [die Schwester und] den Bruder! Denn wenn du [die, welche] du siehst, liebst, wirst du zugleich auch Gott schauen; denn du wirst die Liebe selbst schauen, und in ihr wohnt Gott.« (Augustinus: Predigten zum 1. Johannesbrief 5,7)
Wir könnten Gott schauen und hören, nicht nur im Gottesdienst, im "Wort Gottes" aus der Bibel, das wir vorlesen, in unseren Mitmenschen. Wir könnten Gott in unseren Seelen hören, in den Zeichen, die uns das Leben selbst schenkt, das ja von Gott ist. Zeichen, die im Kino, in der Werbung, im Alltag und in Mitmenschen zu uns sprechen.
In der Allgegenwart der Werbung zum Beispiel, kann ich, statt mich zum Konsum verführen zu lassen, in ihr das leise Wort Gottes hören und meine Seele zur Anschauung Gottes fliegen lassen.
Ich fand einmal einen Bierdeckel, darauf steht: 
Hacker-Pschorr, Himmel der Bayern.
Wenn diese Bayern bei jedem Bier statt an den bloßen Genuss auch an den Himmel denken würden, wenn sie in der Liebe zum Bier eine Spur der Liebe Gottes entdecken würden, könnte das nicht ein Flügelschlag ihrer Seele sein?
Und wenn ja, dann hoffe ich, dass auch unsere Seelen beim Bier und bei all den anderen Genüssen einen kleinen Vorgeschmack auf den Himmel bekommen.
Augustinus spricht noch viele andere Worte, Worte aus einer anderen Zeit, in einer manchmal seltsamen Sprache, über die Liebe, über Gott, über die Freundschaft, den Besitz und viele andere Themen.
Gedanken, die ich (vielleicht) noch ein anderes Mal hier äußere.
Viele seiner Worte gehen mir nahe, sie erlauben mir einen Höhenflug meiner Seele, besonders aber dieses letzte, das ich euch mitgeben möchte auf euren Weg aus diesem Gebäude, in einen Festtag und in euer Leben im Alltag. Es gilt uns allen und es erlaubt uns eine von Gott gewollte Größe, die niemanden von uns vergisst und klein belässt, weil die Liebe Gottes zu uns nicht allein sein will; Augustinus sagt:
»Jeder ist so, wie seine Liebe ist. Liebst du die Erde? Dann wirst du Erde sein. Liebst du Gott? — Was soll ich sagen? — Du wirst Gott sein. Aus mir selbst wage ich nicht, dies zu sagen, doch die Schrift sagt es.« (Predigten zum 1. Johannesbrief 2,14)

Mittwoch, 20. August 2014

Ein Beruf?

Kindern wird beigebracht, ihr Glück in einem wunderbaren Beruf zu finden. 
Die meisten glauben das.
Menschen, die emotional entwurzelt sind, die traditionelle Sinnangebote der Kirchen als vom Sinn entleert empfinden, suchen die Selbstverwirklichung, das Lebensglück in der beruflichen Erwerbsarbeit oder in Beziehungen. Oder zumindest Spaß!
Naja, sie haben ja nichts anderes beigebracht bekommen.
Naja, sie haben ja nichts anderes ... 

Mittwoch, 6. August 2014

Ein Gedanke

Wir überleben nicht ohne das Rudel. Das war früher auch so. Doch heute? Wir hören die richtige Musik, fahren das richtige Auto, ziehen die Klamotten an und umgeben uns mit den Menschen, die ‚in‘ sind. Damit stehlen wir die Aufmerksamkeit anderer, und geben sie uns als Bedeutsamkeit. Wir werden akzeptiert, was nur bedeutet, wir fallen nicht unangenehm auf und bekommen keinen Ärger und halten das auch noch für gemocht oder gar geliebt werden. Wir warten dann, bis unser Stück der Jagdbeute uns zugeteilt wird und nennen es Sicherheit, ‚unser Leben‘, und merken nicht, wie wenig authentisch wir dabei sind, wie wenig ‚richtig‘ das ist. Wir sind fremdgesteuert und wissen nicht mal, wer wir selbst sind. 
(Maurice Decmont)

Esoterik

Definition Esoterik

aus Körbel, Thomas "Hermeneutik der Esoterik Eine Phänomenologie des Kartenspiels Tarot als Beitrag zum Verständnis von Parareligiosität. Münster; Lit, 2001.
Nach langem Zögern und doch aus aktuellem Anlass veröffentliche ich hier nochmals meine Esoterik-Definition. Das Thema ist immer noch brisant. 

Kein Definitionsversuch des Begriffs Esoterik trifft — wenn ein objektivistischer Maßstab angelegt wird — das, was sich letztendlich hinter diesem Wort verbirgt, da es sich um etwas im Menschen und vor ihm selbst Verborgenes handelt. Es kann umschrieben werden als eine Innerlichkeit, die alle mit menschlichem Bemühen sinnlich erfahrbare, innere und äußere Wirklichkeit ausschließt, aber dennoch umfassend "ganzheitlich" ist. Es ist eine tiefe, innerliche Erfahrung der ganzen Wirklichkeit. Es übersteigt die Wahrnehmung der menschlichen Sinne. Es gehört zum Wesen des Menschen, es schließt seine "Tiefe" mit ein. Diese Tiefe wird dem Menschen als 'religiös' oder 'spirituell' wesentlich erfahrbar. Obwohl diese Tiefenerfahrung nicht machbar und letztlich vom Menschen her nicht erreichbar ist, tritt Esoterik auch als Lehre und Methode, aber auch als spirituelle Technik mit dem Anspruch auf, diese religiös-spirituelle Dimension des ganzen Menschseins in das Bewusstsein zu heben. Ein solches Bemühen ist aber nur dann Esoterik, wenn es nicht bloße Lehre, Methode oder Technik, sondern erlebte, erfahrene und erkannte Wirklichkeit und gelebtes Leben ist. Solche Wirklichkeit wird sichtbar, indem sich das innere Leben von bloßer Selbstgenügsamkeit und je tieferer "Nach-Innen-Wendung" zur Gestaltung des äußeren Lebens mit und für den Anderen und Fremden öffnet. Eine so verstandene Esoterik ist das ureigenste Anliegen jedes Menschen auf seiner Suche nach sich selbst. Das verwirklichte menschliche Individuum — wie auch immer es dann in Erscheinung treten mag — ist daher das esoterische Geheimnis.
Gemäß dieses Maßstabes hat jede Religion und jedes religiöse Phänomen eine esoterische Dimension. Im Sinne der [...] diakonischen Methode der Genese-Assistenz liegen in dieser Definition zwei Aspekte:

(1) Sie entlarvt manche Lehren, Methoden und Techniken der real existierenden Esoterik als oberflächlich oder sogar pervertiert.

(2) Sie bietet der real existierenden Esoterik mit Blick auf ihre "normative" Formulierung die Hilfe, dem eigentlichen Anliegen und dem Ziel esoterischer Lebenshilfen näher zu kommen.

Die real existierende Esoterik muss sich diesem Maßstab stellen, wenn sie im (inter-) religiösen Diskurs ernst genommen werden will.

Sonntag, 29. Juni 2014

Freitag, 6. Juni 2014

Pflege-Aufstand oder Personal-Aufstand?

Auf Zeit Online findet sich ein Artikel von Anne Kunze und Marlies Uken zur Bewertung von Pflegeheimen. 
Aus aktuellem Anlass hierzu Gedanken von Rolf Ochs (auf Xing), dem Pflegesachverständigen der Academia Aurata.



Benotung ist Auslegungssache

Die Benotung in der allgemeinen Beurteilung der Pflegedienstleistungen, wie sie hier vorgeschlagen wird, ist in Ordnung. Nur die Auslegung lässt sehr zu wünschen übrig. 
Wie haben wir schon in der Schule gelernt? 1-6 = Sehr gut bis Ungenügend. Sehr gut bis ausreichend , also 1-4 entspricht der allgemeinen Norm und ist mindestens genügend, alles was schlechter ist muss berichtigt und verbessert werden.
Bei der jetzigen Beurteilung muss schon eine 1,5 berichtigt und verbessert werden. 
Ist das unsere Wunschvorstellung in der Gesellschaft, höher besser weiter, die Fürsorge für unsere Mitbürger soll eine Leistungsschau oder gar Sportveranstaltung werden? 
Die ersten Worte in diesem Artikel sind bereits nur negativ Beispiele. 
Eine Schlagzeile wie zum Beispiel: 

"Pflegeheim betreut und pflegt seine Bewohner zur vollsten Zufriedenheit" 

suchen wir wohl für noch lange Zeit vergebens. Die angegebenen Argumente sind immer wieder "nicht menschenwürdig", "keine Zeit" - niemand sagt "keine Kollegen". 

Personalnotstand? 

Wir können mit einfachen Mitteln einige Misstände aus dem Weg räumen. Jedoch bedarf es den Mut, das Engagement und die Einsatzbereitschaft der leitenden Pflegenden, die als Vorbild erscheinen sollen. 
Machen wir uns erst einmal Gedanken. 
Nicht, was kostet das? Sondern: Wie kann man das ändern? 

Wie kann man das ändern? 

Ich bin der festen Überzeugung, durch gut ausgebildetes Pflegepersonal ohne Wenn und ohne Aber für unseren Beruf und unser Ansehen in der Gesellschaft können wir den ersten Schritt in eine generationenübergreifende gut zusammenlebende Gesellschaft gehen. Dazu möchte ich ermutigen. Die Kontrollen eines MDK's können wir dann nach und nach vergessen, denn "schwarze Schafe" werden sich ganz von selbst erledigen!
Die Kollegen die sich für den MDK, also zum Kontrollieren, nicht zum Beraten und Helfen entschieden haben, sind meines Erachtens auf dem Holzweg. 
Es gäbe eine bessere Strategie. Aufsicht und Hilfe kann man auch mit einer "Pflegekammer" erreichen, analog den Handwerkskammern, und so ließe sich den Pflegeheimen, Wohnheimen, Seniorenresidenzen, Pflegediensten und anderen Betreuungseinrichtungen in besserer Weise helfen.

Rolf Ochs
Pflegesachverständiger, Pflegefachkraft

Freitag, 30. Mai 2014

Die Frohe Botschaft der Exkommunikation.

Papst exkommuniziert Chefin von "Wir sind Kirche"

Die österreichische Vorsitzende der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche" wurde exkommuniziert. Martha Heizer und ihr Mann dürfen nicht mehr an den Sakramenten teilnehmen. 
Die strengste Strafe, die die Kirche verhängen kann, weil zwei Menschen, die nicht zu Priestern geweiht waren, in ihrem Privathaus Messen gefeiert  haben? 
Es heißt, von den Missbrauchstätern sei bislang keiner exkommuniziert worden. Ich kann das nicht überprüfen.
Aber mit welchem Maß wird da gemessen? 
Das vermeintliche schwere Vergehen, das Martha Heizer vorgeworfen wird, begehen täglich auf der Welt Hunderte von katholischen Gruppen. Es ist eine Folge des Priestermangels, dass Gläubige manchmal auch ohne geweihten Priester gemeinsam Gottesdienst feiern. Statt das zu bestrafen, sollte man diese Form des Laienengagements begrüßen und sich darüber freuen. Christian Weisner (30.5.2014)
Wenn ich also zukünftig ein Brot breche, und einen Wein trinke, und dabei einen Segen spreche, exkommuniziere ich mich dann auch selbt?
Oder werde ich ausgeschlossen, wenn ich das auch noch öffentlich bekannt gebe? 

Also, ich sehe das so:
Entweder war das unerlaubt und ungültig. Denn wenn die beiden nicht geweiht waren, war das keine Messe, im katholischen Sinne. 
Dann sehe ich keinen Grund für eine Strafe.
Dann wäre es einfach nur ein Irrtum der Handelnden. 
Das sowas in der Kirche bestraft wird, befremdet, wirkt wenig menschenwürdig. 

Die Frohe Botschaft dieser Exkommunikation.

Oder war das gottesdienstliche Handeln gültig?
Das muss wohl so sein. Das legt die Bestrafung nahe. Nur geweihte Pfarrer dürfen das.
Und das ist ein Grund zur Freude, denn wenn das "gültig" und somit bestrafenswert ist, was Frau Heizer tat, dann "funktioniert" das Geschehen der Messe, die Wandlung und Transsubstantiation, auch ohne Weihe. 
Das wäre nun wahrhaft die Frohe Botschaft dieses Urteils. 
Eine gültige Wandlung von nichtgeweihten Menschen. Laien, bei den Katholiken. Also ist das von allen Evangelischen, allen ordinierten Männer und Frauen und allen Laien gültig. 
Endlich sind wir autonom. 
Das Priestertum aller Gläubigen, verwirklicht, und durch ein Urteil der Kirche bestätigt. 
Ein Schritt weiter, das Klerikertum abzuschaffen? 
Habt Mut, zu wandeln, zu feiern. Wandelt. Wandelt Euch, wandelt die Welt! Denkt um! 
Gültige Messen feiern. Für alle. Mit allen. Das ist gelebte Spiritualität und Seelsorge. 
Wie der in den Menschen verliebte Gott es wollte.

Ich breche gerne das Brot. Trinke Wein, symbolisch, zeichenfaft, und bete dazu einen Segen. Allein, wie es sich für einen Eremiten gehört.
Und ich überlasse es anderen, darüber Ihren Hirtenstab zu brechen. 
Wer will feiert mit. Virtuell, oder real. Das macht keinen Unterschied, im Geiste. 

Lies auch hier zum Thema Papst. 

"Wer sind wir, dass wir uns anmaßen dürften, Türen zu schließen, die der Heilige Geist öffnen will?" (Papst Franziskus)

Montag, 12. Mai 2014

Wie Du Deine Sehnsucht steigerst

Gebet der Sehnsucht

Dein Sehnen ist dein Gebet
Und wenn es ein ununterbrochenes Sehnen ist,
dann ist es ein immerwährendes Gebet.
Willst du ohne Unterlass beten,
dann höre nicht auf,
dich zu sehnen.
Dein Sehnen ohne Unterlass ist deine
ununterbrochene Stimme.
Wer sich sehnt,
singt im Herzen,
auch wenn die Zunge schweigt.
Wer keine Sehnsucht hat,
ist stumm vor Gott,
wie laut auch sein Schreien
in den Ohren der Menschen widerhallt.
Aber wer sich sehnt, singt im Herzen,
auch wenn die Zunge schweigt.
(Augustinus)


Sehnsucht gehört zu jedem Menschen

Man muss mit allem zufrieden sein. 
Das höre ich oft. 
Haben solche Menschen die Sehnsucht aufgegeben? 
Oder haben sie all ihre Sehnsucht ins Reich der Träume verwiesen?
Nur Mut, suche sie wieder! 
Jeder Mensch sehnt sich im Grunde nach Geborgenheit, nach Liebe, nach wahrer Heimat, nach Echtheit und Freiheit. 
Für mich sind das große Sehnsüchte, die letztlich nur von Gott erfüllt werden können. 
Letztlich nur von Gott bedeutet: Menschen und Dinge sind da nur vorläufige Sehnsuchtserfüller. 
Die können es, bis zu einem gewissen Grad, ja. Das ist gut. 
Und dann fehlt doch noch was. 
Was?
Sehnen kommt von liebend verlangen, sich härmen. Es hat mit Schmerz zu tun. 
Aber es ist ein süßer Schmerz. Denn der Mensch fühlt sich in der Sehnsucht durchaus lebendig. Er spürt, dass die Sehnsucht etwas ist, was ihn über diese Welt hinaus führt. 
Ohne den geht es nicht. 
Mehr Sehnsucht? 

Bei Sehnsucht fehlt noch was

Ob Du willst oder nicht, in allem, wonach Du leidenschaftlich suchst, sehnst Du Dich letztlich nach Gott. 
Ein Beispiel gefällig? 
Wenn Du mit allen Kräften nach Reichtum aus bist, so wird der Besitz Deine Sehnsucht nicht erfüllen. In der Suche nach finanzieller Unabhängigkeit steckt die Sehnsucht nach Ruhe, nach Zeit, nach Freiheit, dass Du endlich zu Dir selbst kommen kannst, dass Du etwas tun kannst, was Dir mehr Freude gibt als das, was Du jetzt tust. 
Wenn Du nach Erfolg strebst, nach Anerkennung, so steckt dahinter die Sehnsucht, wertvoll zu sein. Aber Du weißt, zugleich, dass kein Erfolg Deine Sehnsucht zu stillen vermag, wenn Du Dich nicht selbst wert-schätzt. 
Du erfährst auch Deinen göttlichen Wert erst in Gott. 
Wenn Du Dich nach Freunden sehnst, suchst Du nach Unabhängigkeit, nach Echtheit in Beziehungen, nach mehr, spürst Dich in Deiner Gebrochenheit und willst vom Menschen ganz gemacht, geheilt werden, suchst nach dem Deinen, suchst Dich, spürst, Du hast Dich noch nicht. Du kannst nicht lieben, willst haben, willst mehr sein. 
Und manchmal setzt Dich ein Mensch auf Entzug. 
Sehnsucht ist eine gute Sucht. 
Sie ergreift Dich ganz. Du spürst die Sehnsucht in Dir. 
Im Lateinischen heißt Sehnsucht desiderium. Das kommt von den sidera, den Sternen. Sehnsucht ist also der Weg die Sterne auf die Erde zu holen. 
Die Sehnsucht bringt den Himmel auf die Erde. 
Sie schafft in Dir den Raum der Weite und des Himmels. Dein Raum. 
Pocht in Dir auch eine solche unerfüllte Sehnsucht nach mehr und nach dem Ganz Anderen? 
Lass Sie wachsen und sich vermehren. 
Wenn alle sich mehr sehnen, wird auf die Grenzen des Wirklichen ein starker Druck ausgeübt werden. Dieser Druck wird ein Ergebnis herbeiführen. 
Die Erfüllung der Sehnsucht. 

Es folgen nun in der Academia Aurata ein paar Tage der Abwesenheit.
Vielleicht wird auch meine und Deine Sehnsucht nach ihr damit größer ;-) 


Montag, 5. Mai 2014

Freundschaft schließen heißt sich öffnen

Freundschaft

Andere Dinge übrigens waren es, die an den Freunden das Gemüt stärker anzogen: Miteinander plaudern und zusammen lachen und sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen, gemeinsam schöne Bücher lesen, miteinander scherzen und sich gegenseitig Achtung schenken, bisweilen sich veruneinen, aber ohne Hass, so wie man auch einmal mit sich selber uneins ist und eben durch den nur seltenen Streit die sonst bestehende Eintracht würzen, einander belehren und voneinander lernen; die Abwesenden schmerzlich vermissen, die Kommenden freudig begrüßen; durch solche und ähnliche Zeichen, wie sie Liebe und Gegenliebe aus dem Herzen sich äußern in Kuss und Wort, in Blicken und in tausend freundlichen Gesten einander in Bewegung versetzen , so dass aus den vielen eine Einheit wird. Dies ist es, was man an den Freunden liebt und dermaßen liebt, dass man sich Gewissensvorwürfe machte, wollte man nicht Liebe mit Gegenliebe, Gegenliebe mit Liebe vergelten, wollte man vom anderen noch Greifbareres verlangen als solche Beweise des Wohlwollens. (Augustinus: Bekenntnisse IV,8,13, nach verschiedenen Übersetzungen)

Freundschaft ist nahe an der Liebe

Augustinus war ein Mensch, dessen Freunde ihm sehr viel bedeuteten. Freundschaft steht für Augustinus sogar ganz nahe bei der Liebe: Zwei verlangen danach, eins zu sein. Er schreibt, dass er seine »Seele und die Seele seines Freundes als eine Seele in einem zweifachen Leben erlebt«.[1] Er erlebt das wohl deshalb so, weil Freunde es wagen, einander »all ihr Inneres anzuvertrauen«.[2]
  • Es ist klar, dass eine solche Übereinstimmung zwischen zwei oder mehr Menschen für Augustinus eine Art Vorgeschmack auf den Himmel ist. 
  • Dass Freunde einander die Wahrheit sagen, ohne sich gegenseitig zu verurteilen[3] und nicht in allen Fragen übereinstimmen müssen, gehört auch dazu. 
  • Es geht nicht darum, Freunde zu haben, sondern selbst Freund für andere sein zu können. »Ohne Freunde könnte ich nicht glücklich sein«, schreibt er.[4] Es ist daher auch verständlich, wenn er die Anwesenheit seiner Freunde vermisst.[5]
Wenn er über Freundschaft nachdenkt, hat er nicht den gegenseitigen Nutzen im Auge, der durchaus auch dabei sein kann, ebenso wie gegenseitige Hilfe und Unterstützung im Alltag oder in besonderen Situationen. 
Nein, Augustinus meint den Freund selbst, nicht seinen Besitz, seine Eigenarten, seine Qualitäten oder seine Begabungen. Ehrlichkeit und Offenheit, Offen-herz-igkeit, sind natürlich Eigenschaften, die auf die möglichen Freunde anziehend wirken. 
Ohne diese und ohne Treue und Vertrauen kann es keine Freundschaft geben. 
Schmeichelei (adulatio, wörtl. Schwanzwedeln) und Harmoniesucht sind der Tod der Freundschaft. Dies gilt auch für die Blindheit. Kritik ist erlaubt, auf Fehler wird aufmerksam gemacht: 
»Nicht jeder, der Nachsicht übt, ist ein Freund; nicht jeder, der uns hart anfasst ein Feind« (Spr 27,6)
»Du liebst deinen Freund, in dem du verabscheust, was ihm schadet.«[6]
Und natürlich erhofft man sich in einer Freundschaft auch nur wohlwollende Zeichen und erwartet z.B. keine Schläge. Freunden geht es also darum, das Wohl des Anderen zu wollen, zuerst für den Anderen, dann für beide.
Er lässt Freunde nicht alleine, wenn sich in ihrem Leben etwas ändert: 
»Der Freund wird plötzlich arm, du willst nichts mehr von ihm wissen? Dann war sein Geld dein Freund und nicht er selbst.«[7] 
Man kann einander noch immer das Wohlwollen schenken, auch wenn man nichts hat.

Schlechte Freundschaften?

Allerdings geht Augustinus nicht soweit, dass er für den Freund sündigen würde, nur um seine Freundschaft zu erhalten. 
Schlechte Freundschaften sollte man sogar nach seiner Ansicht schleunigst beenden, jedoch nicht beim kleinsten Fehler bereits die Freundschaft in Frage stellen.
Beweisen aber kann man Freundschaft nicht. (vgl. Blogbeitrag zu Vertrauen)

Freundschaft schließen heißt sich öffnen

Die gegenseitigen Gefühle und Empfindungen der Freundschaft, das Wohlwollen kann man zwar spüren, aber nicht erzwingen. Freundschaft ist und bleibt ein Geschenk. Und sicher geht es um eine Entscheidung, man "schließt" Freundschaft. 
Augustinus weist niemanden ab, der Freundschaft mit ihm schließen will, ohne selbst gleich diesen in die Freundschaft aufzunehmen. Aber er ist bemüht, diesen Menschen so zu behandeln, dass er in die Freundschaft aufgenommen werden kann.
In jeder Lebenslage braucht man Freunde oder muss sie sich suchen, und ohne Freunde ist alles nichts: 
»Sobald gute Menschen da sind, meistert man die Schwierigkeiten.«[8]
Und in den guten Menschen, den Freunden sieht Augustinus Gott tätig. 
Ja, er geht sogar noch einen Schritt weiter und sucht die Nähe von Freunden, weil er genau da Gott, man könnte sagen "mit Haut und Haar gegenwärtig" erlebt:
»In die Arme lieber Freunde fliehe ich gern mit meinem ganzen Ich, wenn ich müde bin von den Widerwärtigkeiten des Lebens; in ihrer Liebe finde ich Ruhe und Frieden. Denn ich spüre: Da wohnt Gott. Und ihm überlasse ich mich sorglos.« (Augustinus: Brief 73,10).
Stell Dir vor, Du wärst ein solcher Freund. 
Und so lass uns einander Freunde sein! 
Ich freue mich auf Dich. 



[1] Liebe - was ist sie anderes als ein Leben, in dem zwei sich einen oder eins zu sein verlangen? So erlebe ich meine Seele und die Seele meines Freundes als eine Seele in einem zweifachen Leben. (Augustinus)[2] Von dem können wir sagen, dass er in die Freundschaft aufgenommen ist, dem wir all unser Inneres anzuvertrauen wagen. (Augustinus: Über 83 verschiedene Fragen 71,6)[3] Niemand kann in Wahrheit der Freund eines Menschen sein, wenn er nicht zuvor ein Freund der Wahrheit ist. (Augustinus: Brief 155,1); Niemals dürfen wir über einen unbekannten Menschen ein Urteil fällen; und keinen können wir erkennen, es sei denn durch Freundschaft. (Augustinus: Über 83 verschiedene Fragen 70,5)[4] Bekenntnisse VI,16,26.[5] Ich empfinde Schmerz, lieber Freund, dass ich dich nicht sehe, und doch tröstet mich gerade dieser Schmerz. Deshalb missfällt mir die Willenskraft, mit der man die Abwesenheit guter Menschen, wie du einer bist, zu ertragen versucht. Ich kann mich der Sehnsucht nicht erwehren, und wenn ich es könnte, wäre es ein entsetzliches Können. Es freut mich, dass ich es nicht kann, und in dieser Freude liegt mein Trost. (Augustinus: Brief 27,1)[6] Predigt 49,5,5,8[7] Vgl. Tars van Bavel: Charisma: Gemeinschaft; 52ff.
[8] Wenn Armut uns bedrückt oder Trauer uns lähmt, körperlicher Schmerz uns quält oder wir traurig in der Ferne weilen, - was immer an Unglück uns treffen mag, sobald denn gute Menschen da sind, die nicht nur mit den Frohen sich zu freuen wissen, sondern auch mit den Weinenden zu weinen, ein aufmunterndes Wort sprechen oder ein Gespräch anknüpfen können, dann sind die Widerwärtigkeiten meist schon gelindert, das Schwere wird leicht, und man meistert die Schwierigkeiten. In ihnen und durch sie wird aber ER tätig, der durch seinen Geist andere gut macht... So ist im Gesamt menschlichen Lebens nichts, was uns freundlich ist, ohne die Freundschaft eines Menschen. (Augustinus: Brief 130, II, 4)

Samstag, 26. April 2014

Vertrauen

von Jörg Dankert und Thomas Körbel
"Krise wird wirklich aus Mangel an Vertrauen.", Karl Jaspers
Vertrauen braucht einen guten Grund. Einen guten Grund, auf dem es wächst, und bestehen bleiben kann.
Besser, es hat mehrere gute Gründe.
Aber das ist nicht das wesentliche Merkmal von Vertrauen.

1. Vertrauen muss immer über gute Gründe hinausgehen, sonst ist es keines.

Vertrauen darf in einer Beziehung enttäuscht werden können, obwohl der Vertrauende genau das nicht erwartet, gar befürchtet.
Aber es "sollte" natürlich nicht enttäuscht werden. Niemals.
Denn erst im Aufheben des Vertrauens überwindet das Vertrauen die Ungewissheit.
Das meine ich in der Hegel'schen Doppelbedeutung, im Negieren und im Aufbewahren oder Aufgehoben-Sein oder Geborgen-Sein.
Der Zweifel wird anfangs da sein, ob das Vertrauen gerechtfertigt ist. Vielleicht bleibt er lange.
Zweifel am Vertrauen hält alles wach, das Ringen, das immer wieder neu Erringen, das Vergeben und Verzeihen und das Wachsen.
  • Geht der Zweifel, kommt Gewissheit.
Da gibt es zwei Möglichkeiten:
a. Gewissheit, dass Vertrauen missbraucht wurde, dann ist Vertrauen weg. In solchem Aufheben ist kein Vertrauen mehr. 
Oder aber - und das ist wünschenswert -
b. Gewissheit, dass Vertrauen eingehalten wurde. Und damit auch zukünftig eingehalten werden wird. Hier bleibt Hoffnung, doch keine Erwartung darf da sein.

2. Du gewinnst Selbstvertrauen

Du gewinnst Selbstvertrauen, wenn Du zuerst darauf vertraust, dass Du ganz und gar angenommen bist.
  • Indem ich Dir vertraue, ermutige ich Dich, mir zu vertrauen.
Ich kann Dir (als einem anderen Menschen) nur vertrauen, wenn ich ein gesundes Selbstvertrauen habe und - wenn ich Gott vertraue.
  • Vertrauen ist Festigkeit und Treue.
Ich stehe in mir fest. Ich stehe zu mir. Ich stehe für mich ein - und für dich.
Als Christ glaube ich, dass ein anderer, Gott, vorher bereits zu mir steht. Mir wurde zuerst Vertrauen geschenkt.
So bin ich auch fähig dem anderen Vertrauen zu schenken und zugleich Vertrauen zu vermitteln. Nicht nur aus mir heraus, aus meiner eigenen Kraft.
Manchmal sehnst Du Dich, Dich fallenzulassen, getragen zu sein.
  • Getragen zu sein ist Vertrauen.
In der Natur erfahre ich es, wenn ich mich in eine wunderschöne Wiese lege und mich von dieser (von ihrem Duft, ihrer Sanftheit, Weichheit, ihrer Lieblichkeit, den Schmetterlingen, die ich dort fliegend finde) tragen lasse. Ich erlaube mir, so zu sein, wie ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen. Wenn ich das mir erlaube, dürfen auch andere so sein, wie sie sind.

3. Vertrauen ist natürlich

Vertrauen braucht einen guten Boden, einen durchlässigen, einen nährstoffhaltigen. Dann können wunderbare, stabile Wurzeln entstehen. Und diese Wurzeln halten den Stürmen des Lebens stand. Diese Wurzeln brauchen Wasser, Nährstoffe, sonst vertrocknen sie. Diese Wurzeln brauchen den Schutz der Mutter Erde, von Sonne und Mond, von Wasser und Luft.
Vertrauen ist also niemals eine Einbahnstraße, keine Sackgasse, sondern immer nähren und wachsen und zurückgeben.
  • Vertrauen ist eine faszinierende Erdung.

4. Wer Menschen vertraut, profitiert langfristig.

  • Du investierst Deine Zeit (durch die Information, das Sichten der Auswahl, den Weg zum Arbeitsplatz, deine Arbeitszeit, ... )
  • Du investierst Gleichgewicht (Wird diese Begegnung eine win-win-Situation oder gewinnt nur einer? Wer? Der Chef, der Kunde, nur Du? Dein Freund, Partner, ...)
Wer auf Kosten anderer Erfolg haben will, wird sich schnell verlieren. Wenn nur einer gewinnt, ist der Gewinn schal. 
  • Du investierst Deinen Wert. Du zahlst einen Preis, und du bekommst einen Gewinn (Geld in Honorar, Lohn, Gehalt, ... - auch wenn Du in der freundschaftlichen Begegnung nicht mit Geld bezahlt wirst.) 
  • Du investierst Dein Vertrauen (Du verlässt Dich darauf, dass der Andere sich an Abmachungen hält. Du gewinnst Sicherheit.) 
  • Du investierst nun auch Dein Bedürfnis nach Sicherheit. (Was geschähe, wenn der Andere die Freundschaft, Beziehung beendete, den Arbeitsvertrag kündigte? Er ließe Dich gestärkt zurück.)
Kurz: Du baust eine Vertrauensbeziehung auf, in der Du wächst.

5. Ohne Vertrauen geht kein Geschäft, kein Job, keine Feundschaft

Wer in wirtschaftlich unruhigen Zeiten handelt, egal ob Mensch oder Unternehmen (= eine Ansammlung von Menschen), für den wird Vertrauen zum wichtigsten Erfolgsfaktor. 
  • Vertrauen der Mitarbeiter in die Unternehmensführung, dass dort die richtigen Weichenstellungen vorgenommen werden. 
  • Vertrauen der Unternehmensführung in die Mitarbeiter, dass jeder seinen Teil zur Zukunft des (gemeinsamen) Unternehmens beiträgt.
  • Vertrauen der Kunden zum Unternehmen, dass die Produkte und Dienstleistungen halten, was sie versprechen.
  • Vertrauen in der Unternehmung an sich, dass die eigenen Schwächen optimiert, die eigenen Stärken gestärkt und die Zukunft gemeistert wird.
Ich bin davon überzeugt, dass Vertrauen ein Trainingsprozess ist. Wer nach einer Enttäuschung sagt, er könne sich nie wieder auf jemanden einlassen, nimmt sich selbst ganz viele Möglichkeiten. (Verena Bentele) 

6. Wie gewinnst Du?

Wir betreuen, beraten und begleiten Dich, Dein Unternehmen, Unternehmer - Organisationen und Menschen
Das Beschäftigen mit und das Einsetzen von Change Management und Organisationsentwicklung schafft Vertrauen zwischen uns und legt den Grundstein für eine durch Vertrauen geprägte Unternehmenskultur.
Am Anfang einer Beratung steht das Erstgespräch. Das ist kostenfrei und unverbindlich. Und es bleibt kostenfrei, wenn ein Vertrag zwischen uns zustande kommt. 
Die Schritte, die wir im Rahmen dieser ersten Zusammenkunft mit den Klienten und Kunden gemeinsam gehen, sind: 
  • Einander kennenlernen und schauen, ob die Chemie zwischen uns beiden (oder drei) Menschen und unseren "Mentalitäten" stimmt. 
  • Wir erfahren Deine Situation und Deine Kultur. Oder die Situation Deines Unternehmens. 
  • Du, als Kunde bzw. Klient, wirst Dir ein Bild von uns als Menschen und als Berater machen. 
  • Stimmt die Chemie wird über die Ziele gesprochen, die Du hast. 
  • Wir zeigen, was wir dazu beitragen können. 
  • Gemeinsam wird die aktuelle Situation vor dem Hintergrund des Beratungszieles betrachtet, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo Du bereits wie weit bist. 
  • Wir entwerfen ein erstes Bild eines Konzeptes, wie die Betreuung, Begleitung und Beratung ausschauen könnte und wie es sinnvoll zu einer ersten Aktion kommen kann. 
  • Schließlich werden weitere Themen, die Dir, dem Kunden und Klienten, am Herzen liegen, besprochen.

Mittwoch, 16. April 2014

Ostern

Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?

Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte? Warum hören wir, was wir schon wussten und warum gehen wir zurück zum Anfang?
Diese Nacht ist so anders, weil Gott mich daran erinnern will, dass ich als ein einmaliger Mensch geschaffen wurde, als Mann und als Frau. Ich soll nochmals und wieder und immer wieder hören und lesen, was unerhört ist, was ich schon wusste, soll es neu zu hören, weil Gott mich kennt und weiß, dass ich dazu neige, zu vergessen, was ich bin:
Ein einmaliger Mensch.
Mit meinen Fähigkeiten kann ich vor Gott stehen, mit meiner Lebensgeschichte, mit traurigen Erlebnissen, mit Krankheit, Tod und Verlust, mit vielen Erfahrungen, die mich geprägt haben — manche mehr, als mir lieb sind.
Auch mit meinen freudigen Augenblicken stehe ich vor meinem Gott, mit meinen Gedanken, Sehnsüchten, mit den Hoffnungen, aus denen ich meine Träume und Visionen schöpfe, und mit dem Willen, meine Zukunft auf diesem Planeten zu gestalten.
Und ich soll es nicht nur nochmals hören — ich will es auch hören, was ich schon längst weiß, weil Gott mir Freiheit schenkt in seiner genialen Schöpfungs-Ordnung.
Denn es ist — gottlob — nicht mein Schicksal, wie die Sterne über Raum und Zeit hinweg zu leuchten, nicht wie die Seetiere bin ich verdonnert, im Meer zu wimmeln; bin nicht wie die Kriechtiere auf dem Erdboden: aufrecht darf ich sein und gehen.
Gott richtet, richtet es, mich richtet Gott auf.
Ich darf selbst meinen Ort suchen und gestalten, kann wählen, wo ich mich engagiere und kann auch von dort wieder weggehen an einen neuen Ort — oder auch einmal ganz weg aus diesem Leben.
Denn manchmal ist meine Energie zu Ende, da wünschte ich mir, es gäbe ein Ort, an dem mein ruheloses Herz Ruhe findet, da wünschte ich mir eine Heimat und Geborgenheit, eine Problemlosigkeit, die es auf dieser Erde nicht gibt, da möchte ich mit jemandem zusammen sein, bei dem ich einfach so sein darf, wie ich bin.
Dann möchte ich, dass die Schöpfung ihren Atem anhält — für einen Moment, Karsamstag, nur eine kleine Atempause bitte.
Und schon geht es weiter, unerwartet und plötzlich geht es immer weiter und weiter, und es wird Abend und es wird Morgen und es wird und wird und wird — und ich?
Bin ich schon ganz fertig? Schon fix und fertig? Also vollendet? Fix und fertig bin ich oft, erschöpft, aber kaum fertig und zu Ende geschöpft, geschaffen, vollendet.
Vielleicht fange ich heute mal wieder ganz neu an.
Ein Wunsch, den ich mir erfülle,
  • eine Hoffnung, die ich laut denke,
  • ein kleines Licht,
  • ein neuer Atemzug
und siehe: es ist sehr gut: Ich bin ein Mensch — und ich werde...

Schöpfung — Gen 1,1-2.2

Sie ist so mehrstimmig in ihrer Einzigartigkeit, diese Nacht, sie ist so anders, weil sie nicht nur gibt und schenkt, sondern weil sie auch fordert.
Gott schenkt mir, und verlangt zugleich, was mir in dieser Nacht zugesprochen wird.
Und diese Nacht will ich es nochmals hören, das Oftgehörte Unerhörte Ungehörige.
Diese Nacht hat es in sich, das Geheimnis.
Diese Nacht geht mit mir das Risiko ein, dass ich sie missverstehe, wie alle Geheimnisse.
Vielleicht werde ich dazu neigen, Dinge, die mir lieb und teuer sind, etwas schnell und bereitwillig aufzugeben. Vielleicht werde ich als Willen Gottes deuten, weil ich etwas höre, was Gott mir gar nicht sagt. Das Risiko des Irrtums bleibt mir in dieser so anderen Nacht, weil ich ein Mensch bin, in dieser Welt — und es gehört zu meiner Freiheit, die ganze Geschichte falsch zu verstehen — leider Gottes.
Aber wenn ich mich traue, einmal gegen meine bisherigen Überzeugungen zu handeln, wenn ich mein mir Liebstes einmal aufzugeben bereit bin, kann es geschehen, dass sich zum Segen wendet, was als Schrecken begann.
Und wenn ich aufschaue, wenn ich auf euch schaue, dann sehe ich, dass Gott anders will und anders ist, nicht nur diese Nacht, und das will ich jetzt noch einmal hören: dass Gott sich mir in seiner ganzen Unbegreiflichkeit vor Augen stellt und mir sogar in den Ohren dröhnt.

Opferung des Isaak — Gen 22,1-18

Diese Nacht ist so anders, weil mich erinnert, dass ich ein Gefangener bin, Sklave in fremdem Land. Oft genug meines eigenes Lebens, meiner Gedanken Gefangener,im Kopfkino verirrter. Vorgegebenes als auch Selbstgewähltes bestimmen mein Leben. Mein Selbstverständnis beschränkt mich wie meine Rolle am Arbeitsplatz: Sklave des Zwanges, Geld verdienen zu müssen. Knecht auch der Familie, waschen, putzen, spülen, stopfen, mein Leben in meinen alltäglichen und nichtalltäglichen Aufgaben.
An meinen Grenzen ecke ich an und hole mir blaue Flecken — und ich falle und stehe wieder auf. Mein Tagesablauf, meine Notwendigkeiten — es ist vieles geregelt.
Das ist sehr gut, doch möchte ich manchmal vor mir davon laufen.
Gott erinnert mich in dieser Nacht, dass ich aufbrechen kann.
Nicht alles ist auf ewig zementiert, was mich im Moment nicht atmen lässt.
Gott erinnert mich, dass die Entscheidung zum Aufbruch bei mir liegt; es gibt keine unüberwindlichen Hindernisse. Ich muss kein anderer sein als der, der ich bin, aber es fordert Bewegung, genau dieser auch wirklich zu sein.
Und manchmal dauert es lange, lange, bis ich endlich aufbreche und kaum auf dem Weg, bekomme ich Angst vor meinem eigenen Wagemut.
Bisweilen muss ich aber zu meinem eigenen Heil manches zurücklassen, wenn nicht gar alles. Manchmal muss ich sagen: So nicht mehr und das ist vorbei. Mit mir nicht!
Das ist der Preis meiner Freiheit, er ist oft hoch, aber ihn nicht zu zahlen, wäre ein Verrat an mir selbst. Und so sage ich, mit Freude und Trauer zugleich, will es sagen: "Nach mir die Flut" — auch, wenn ein Ägypter das sicherlich anders sehen würde.

Exodus — Ex 14,15-15,1

Diese Nacht führt mich in die merkwürdige Beziehung Gottes zu den Menschen ein, ja, zu mir.
  • Eine Liebe, die mir un-verständlich ist, so wie meine Liebe unerhört ist/bleibt ... Mein Verstand fasst sie nicht.
  • Eine Liebe, so unglaubwürdig, unerhört, ungehörig, unmoralisch, weil ich sie so sehr anders erfahre als ich sie gerne hätte.
  • Eine Liebe, so groß, dass sie außerhalb meiner Erfahrung ruht, weil kein Mensch auf diese Weise mich je geliebt hat.
Daher fürchte ich mich vor dieser schwer nachvollziehbaren Treue Gottes zu mir.
Aber auch weil ich so wechselhaft in meinen sturmgepeitschten Gefühlen bin.
In dieser Liebes-Nacht erinnert Gott mich als geprüftes Gegenüber; und nach meiner Empörung über diese merkwürdige Erziehung von sich annäherndem Entziehen und von neuem verlassenen Nahekommen, spüre ich, fern von Bedrängnis:
Ich muss mich nicht mehr fürchten.
Staunend sehe ich: ein Trost steigt auf aus meiner Klage, Flut schwemmte nicht alles weg, nicht alles ist gescheitert, dort am Kreuz — und ich, wo stehe ich?
So langsam verspüre ich wieder einen festen Boden unter den Füßen.

Jerusalem — Jes 54,5-14

Diese Nacht ist so anders, Gottes Nacht ist sie und Gottes Vergeltung bedeutet, dass andere Maßstäbe gelten als bei mir. Gott ruft nicht nur mich, auch andere Menschen, dies ist die Andere Nacht, die selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, Gott und Menschen verbindet. Nicht alleine bleibe ich in meiner Nacht-Klage.
Gemeinschaft ruft mich.
Aber kein Herrschen über, kein Dienen unter mir.
Geld, Ansehen, Position, Studium und Bildung, Geschlecht, Lebensform, Privilegien  — unsere Unterscheidungen kennt Gott nur zu gut, sie sind nicht mehr brauchbar.
Gott ruft, und ich darf, frei und mutig, Gott Gott sein lassen, darf mich an Menschen binden: Mich erhört und erinnert ein Gott mit Gedanken, die nicht meine Gedanken sind und erinnert ein Gott mit Wegen, die nicht meine Wege sind.
Und mir an manchen Begriffen die Zähne ausbeißend, entdecke ich doch im Wort Gottes einen Geschmack, der vorher nicht da war; überschmeckt war.
Denn nun, da ich Unerhörtes höre, lebe ich.
Mein Durst wird gestillt, und schaut: auch mein Hunger findet Nahrung an Gottes Tisch.

"Auf Ihr Durstigen, kommt" — Jes 55,1-11

Diese Nacht ist so anders als alle anderen Nächte, sie öffnet mir Augen und es wird mir immer heller, neues Leben regt sich.
Es will heraus. Das Innere.
Mir ist, als ob ich schwanger wäre.
Direkt vor mir, genau da, eine Tür, eine Öffnung, die mich aus einem dunklen Grab, dem schlafend ruhenden Leib hinaus, in eine zauberhafte, helle Landschaft führt. "Du Gott des Lichts auf dessen Reich der helle Schein der Sonne weist." (Hymnus zur Sext)
Gerade eben neu gemacht, so sieht sie aus.
Als Nicht-Abgenutzte, Nicht-Verschlissene, erkenne ich sie kaum wieder, da ich den Raum dahinter noch nie betrat.
Kein blinder Gehorsam zwingt mich, zu gehen.
Ein sehendes, freies Einverständnis drängt mich, den Schritt zu wagen.
Ein Rufen!
Zitternd sag ich mein "Hier bin ich".
Weisheit und Einsicht, von Gott gelehrt, von mir so lange nicht gewollt, schwer erkannt, unter Schmerzen geboren. Und habe kein Wort, kein Gefühl, kein Bild zu zeigen als mich selbst.
Das ist die Kraft meiner Nacht, die mich gefunden hat, die mir eine Tür in einen neuen Morgen öffnet.
Ich weiß nicht, soll ich durch diese Tür gehen?
Ich möchte so gerne, doch was ist mit euch?
Geht ihr mit?
Lasst bitte, zurückbleibend, mich nicht alleine gehen, sonst will ich auch bleiben — hier im Dunkel — mit euch.

Lerne, wo Lebensglück ist — Bar 3,9-15 und 32-4,4

Diese Nacht, so anders!
Gott, erinnert mich, erhört mich. Gott ist ein leidenschaftlicher und lebendiger Gott, ist sinnlich, spielerisch, mal zärtlich und mal wild. So nimmt er mich, lässt sich immer wieder neu auf mich ein.
Da, ein Schlag dringt nach Außen. Ein Herz-Schlag. Ein Stein bricht auf, wo mein Herz war — und da schlägt es wieder und wieder und wieder mit ruhigem Puls.
Gott macht lebendig, wieder lebendig.
Fleisch und Blut, und es heilt jetzt leise unter uns. Erstarrt war, lebendig wird — spürt ihrs? Es glüht, wird wärmer, heller, lichter, klarer.
Wo ich gescheitert bin, kommt neu das Leben in Fülle, reinigendes Wasser, neue Gedanken in neuem Geist. Und aus der Nacht, die über mich kam, aus der Dunkelheit, von der die Nacht stammt, in der ich lebe, wird Kraft, große Kraft:
Gott, ich glaube dir diese Nacht.
Und ich höre, hört ihrs nicht? Da lebt was. Da wacht etwas auf vom Tode.

Die Verheißung eines neuen Lebens — Ez 36,16-17a.18-28

Christus ist auferstanden!

Es folgen die neutestamentliche Lesung und das Evangelium
Röm 6,3-11


Evangelium Mt 28,1-10

http://jobo72.wordpress.com/2014/04/17/millionen-christen-durfen-nicht-feiern/

Wir dürfen feiern! Christus ist auferstanden!